Ditters von Dittersdorf, Karl

Konzert

für Kontrabass und Orchester F-Dur, Krebs 172, Fassungen in E-Dur und D-Dur, hg. von Tobias Glöckler

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2011
erschienen in: das Orchester 10/2011 , Seite 63

Er war sicher­lich kein Genie, war aber ein musikalisch viel­seit­ig tätiger, liebenswürdi­ger Zeitgenosse von Mozart und Haydn: Karl Dit­ters von Dit­ters­dorf (1739–1799). Bekan­nt wurde er zunächst als ver­siert­er Solist auf der Geige, dann immer mehr als Konz­ert- und Kapellmeis­ter an ver­schiede­nen Bischof­s­sitzen und Fürsten­höfen. Sein kom­pos­i­torisches Werk ist aus­ge­sprochen umfan­gre­ich und wird zu Unrecht links liegen gelassen: Es gibt von ihm über hun­dert Sin­fonien, zahlre­iche Solokonz­erte (darunter zwei für Kon­tra­bass), viel Kam­mer­musik, immer­hin zehn Opern (darunter Dok­tor und Apothek­er) und ver­schiedene Ora­to­rien und geistliche Werke. Die Erhe­bung in den Adels­stand (1773) zählte für ihn zu ein­er der „wichtig­sten Epoche“ in seinem Leben. Leeren höfis­chen Geist atmen Dit­ters­dorfs Werke jedoch nicht. Die Presse würdigte ihn nach seinem Tod als „vorzüglich­sten Volk­skom­pon­is­ten“. In der Tat find­en Lied und Tanz sein­er öster­re­ichis­chen Heimat deut­lichen Zugang in seine Werke.
Die bei­den Konz­erte für Kon­tra­bass in D‑Dur und in E‑Dur ent­standen wohl um 1767 in Großward­stein. Dort leit­ete Dit­ters­dorf die Kapelle des Bischofs Pat­achich. Für das Ensem­ble hat­te Dit­ters­dorf den Bassis­ten Friedrich Pichel­berg­er engagiert, der für die dama­lige Zeit ein aus­ge­sproch­en­er Vir­tu­ose auf seinem Instru­ment gewe­sen sein muss. Somit sind die für ihn geschriebe­nen Werke die ersten Basskonz­erte über­haupt, ent­standen lange vor den Kom­po­si­tio­nen eines Sperg­er, Drag­onet­ti oder Bottesi­ni.
Mit dieser frühen Entste­hung aber hän­gen die Prob­leme der Druck­le­gung und Archivierung zusam­men. Das hier vor­liegende E‑Dur-Konz­ert geri­et für lange Zeit in Vergessen­heit. Die Neu­veröf­fentlichun­gen steck­ten voller Fehler und roman­tisieren­der Ein­griffe und hat­ten so mit dem Orig­i­nal nicht viel zu tun. Den­noch zählt das Werk zu den meist­ge­spiel­ten und bekan­ntesten Konz­erten für den Kon­tra­bass und ist Pflicht­stück aller Probe­spiele. Prob­leme für die Prax­is ergaben sich aus den ver­schiede­nen Stim­mungen: Zum einen gab es die his­torische „Wiener Stim­mung“ (A‑d-fis‑a), zum anderen wur­den die Solobässe gegenüber der Orch­ester­stim­mung, eines helleren Klanges wegen, um einen hal­ben oder einen ganzen Ton
höher ges­timmt.
Mit wis­senschaftlich­er Akri­bie und nach exak­tem Quel­len­studi­um hat der Dres­den­er Bassist Tobias Glöck­ler zunächst (zusam­men mit dem Pianis­ten Christoph Soban­s­ki) eine Fas­sung für Kon­tra­bass und Klavier ver-
öffentlicht und dazu auch eigene Kaden­zen geschrieben. Für diese Urtext-Aus­gabe wurde Glöck­ler mit dem Deutschen Musikedi­tion­spreis aus­geze­ich­net. Nun fol­gte in ein­er Gemein­schaft­spro­duk­tion von Bre­itkopf und Hen­le die Par­ti­tur. Das Orch­ester­ma­te­r­i­al ist über die bei­den Ver­lage zu beziehen. Die sorgfältig edierte und gut les­bare Dirigier­par­ti­tur liegt, wie die Solostimme auch, in zwei Tonarten vor, in E‑Dur und in D‑Dur. Zwei Seit­en umfasst der Revi­sions­bericht des Her­aus­ge­bers, der alle Ein­griffe früher­er Aus­gaben weglässt und sich ganz an das Orig­i­nal hält. Nun sind endlich his­torisch richtige Auf­führun­gen des wohlbekan­nten Konz­erts möglich. Es dauert etwa zwanzig Minuten. Die Öffentlichkeit kann sich darauf freuen.
Wolf­gang Teubner