Ingo Hoddick

Köln: „Orient“ und „Okzident“

Das WDR-Funkhausorchester ließ sich durch „Tausendundeine Nacht“ zu einem erstklassigen Konzert inspirieren

Rubrik: Bericht
erschienen in: das Orchester 6/2023 , Seite 59

Die Erzählsammlung Tausendundeine Nacht ist ein berühmtes Beispiel für den Brückenschlag zwischen Kulturen: Die Rahmengeschichte vom grausamen Sultan Schahriyar und der klugen Wesirstochter Schahrasad (Scheherazade) ist fast zweitausend Jahre alt; sie wurde aus Indien über Persien in die arabische Literatur vermittelt. Seit über drei Jahrhunderten wird die arabische Fassung immer wieder in europäische Sprachen übersetzt und in aller Welt weiterüberliefert. Zeitweise war Tausendundeine Nacht in Europa das meistgelesene Buch – zumindest an zweiter Stelle nach der Bibel. Schahrasad war gewissermaßen die Erfinderin des Cliffhangers und somit der modernen Vorabendserie, denn sie bricht ihre Erzählung Nacht für Nacht an der spannendsten Stelle ab. Dies garantiert ihr das Überleben bis zum nächsten Tag – ist der Sultan doch auf die Fortsetzung gespannt. Im März widmete sich nun das WDR-Funkhausorchester in seinem fast ganz gefüllten Kölner Sendesaal diesem Thema. Das Konzert war Teil von Europas größtem Literaturfestival lit.COLOGNE und trug den Titel „1001 Cliffhanger“.

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