Schumann, Robert

Klaviertrios

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Thorofon CTH 2533/6
erschienen in: das Orchester 02/2007 , Seite 93

Der in Han­nover, Freiburg und Leipzig unter anderem von Karl-Heinz Käm­mer­ling und Vitaly Mar­gulis aus­ge­bildete Pianist Hagen Schwarzrock, der Geiger Oliv­er Kipp, der in Han­nover und in Berlin bei Thomas Bran­dis studierte, und die in Karl­sruhe und Köln von Mar­tin Ostertag und Claus Kan­ngiess­er unter­richtete Cel­listin Katha­ri­na Troe haben sich 1999 zum gemein­samen Musizieren den Namen Hype­r­i­on-Trio gegeben. Bere­its zwei Jahre später hat das Trio den Inter­na­tionalen Johannes-Brahms-Wet­tbe­werb gewin­nen kön­nen. Auch einzeln sind die Mit­glieder des Trios mit zahlre­ichen weit­eren Preisen aus­geze­ich­net wor­den.
Vorauss­chauend auf Schu­manns im Jahr 2006 zum 150. Mal wiederkehren­des Todes­jahr konzip­ierte das Ensem­ble im vorver­gan­genen Jahr an je vier Aben­den in Han­nover, Magde­burg und Leipzig eine Konz­ertrei­he mit Schu­manns drei Klavier­trios d‑Moll op. 63, F‑Dur op. 80 und g‑Moll op. 110 ein­schließlich sein­er Fan­tasi­estücke op. 88. Schu­berts B‑Dur-Trio op. 99, die Früh­fas­sung von Brahms’ H‑Dur-Trio op. 8 und sein C‑Dur-Trio op. 87, Mendelssohns d‑Moll-Trio op. 49 sowie Clara Schu­manns g‑Moll-Trio op. 17 ergänzten damals die einzel­nen Auf­führun­gen. Im Schu­mann-Jahr selb­st hat Tho­ro­fon alle diese Werke nun auch auf Ton­träger veröf­fentlicht.
Neue Ein­sicht­en ver­schaf­fen die Auf­nah­men des Hype­r­i­on-Trios allerd­ings nicht. Ins­beson­dere Schu­manns Trios lei­den ein wenig unter der gestal­ter­ischen Eineb­nung ihrer musikalis­chen Viel­seit­igkeit. Im zweit­en Satz des d‑Moll-Trios wie beispiel­sweise in dessen Final­satz, aber etwa auch im Kopf­satz des F‑Dur-Trios wird das Aus­drucksspek­trum mit seinen ver­schiede­nen Ebe­nen und über­raschen­den Momenten eher geglät­tet, als dass es sper­rig geweit­et würde. Im drit­ten Satz des F‑Dur-Trios ver­misst man ein ges­pan­ntes Pulsieren und Fed­ern sein­er Akzente und auch dessen Final­satz hätte ein schär­feres Pro­fil ver­tra­gen kön­nen. Im Ein­leitungssatz von Schu­manns g‑Moll-Trio reizt das Ensem­ble dessen Entwick­lungspoten­zial nicht genü­gend aus, im zweit­en wäre noch um einiges mehr Schubkraft von­nöten gewe­sen. Gedanklich etwas zu flach blieb der dritte Satz und im Final­satz hätte man sich ein impul­siveres Zupack­en gewün­scht.
Auch in den Trios von Schu­bert, Mendelssohn, Clara Schu­mann und Brahms kann das Hype­r­i­on-Trio den etwas risikoscheuen Ein­druck nicht wesentlich kor­rigieren. Lei­den­schaftlich­er und ton­lich far­bkräftiger, aber etwa im Scher­zo zugle­ich auch noch um einiges duftiger hätte man sich die Darstel­lung von Mendelssohns d‑Moll-Quar­tett vorstellen kön­nen, und die von Brahms ver­wor­fene frühe Fas­sung seines H‑Dur-Trios ent­larvte deren Schwächen doch mehr als nötig. Im Kopf­satz man­gelt es der Inter­pre­ta­tion des Hype­r­i­on-Trios nicht nur an der Bal­ance des gedanklichen Bogens, son­dern auch an klan­glich­er Präsenz. Wenig Anlass zur Kri­tik bietet hier das Scher­zo, eine präg­nante, wenn auch nicht unbe­d­ingt mitreißende Klangge­bung find­et das Ensem­ble für dessen geheimnisvollen Ton­fall. Im Ada­gio non trop­po aber bleiben Architek­tur und musikalis­che Fig­uren­bil­dung etwas blass und im Final­satz hätte ein spritziger­er Ges­tus der For­mulierung gewiss zu einem plas­tis­cheren Pro­fil ver­helfen kön­nen.
Thomas Bopp