Schumann, Robert / Felix Mendelssohn Bartholdy

Klavierquartett op. 47 / Sextett op. 110 / Adagio aus dem Klavierkonzert Nr. 2 für Klavier und Streichquintett

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Solo Musica SM 123
erschienen in: das Orchester 07-08/2010 , Seite 65

Alles nur Jubiläum? Keines­falls! Diese im wun­der­voll ren­ovierten Bib­lio­thekssaal des Klosters Polling aufgenommene CD hat alles, was eine span­nende Kam­mer­musikveröf­fentlichung aus­macht: Die richtige Mis­chung aus bekan­nt und unbekan­nt, eine Erstein­spielung – und sechs Musik­er, die wirk­lich alles geben, um mit drei Werken der Jubi­lare des ver­gan­genen und dieses Jahres zu überzeu­gen.
Das bekan­nte Werk im Pro­gramm von Mar­gari­ta Höhen­rieder und dem Gewand­haus-Quar­tett ist das Klavierquar­tett in Es-Dur op. 47 von Robert Schu­mann. Die Mit­glieder des Leipziger Gewand­hau­sor­ch­esters und die Münch­n­er Pianistin spie­len das sein­erzeit von Clara Schu­mann, Fer­di­nand David und Niels Gade in der Pleiße-Stadt aus der Taufe gehobene Stück genau so, wie es klin­gen soll: ern­sthaft im Miteinan­der, stil­voll in der Tonge­bung, leicht im Diskurs der Stim­men und die keines­falls zu ver­nach­läs­si­gende Vir­tu­osität nie zum vorder­gründi­gen Selb­stzweck machend. Ger­ade die Tonge­bung und die Leichtigkeit beim Zeich­nen der gesan­glichen Lin­ien durch die vier Musik­er überzeu­gen rest­los. Vom geheimnisvollen, schön zurückgenomme­nen knap­pen Beginn des Kopf­satzes und der nach­fol­gen­den fed­ern­den Aus­for­mung des Alle­gros über das wirbel­nde Scher­zo und ein äußerst gesan­glich­es Andante bis hin zum vir­tu­osen Vivace-Finale ist hier alles Hochgenuss.
Abso­lut überzeu­gend auch das eher unbekan­nte Werk der CD. Felix Mendelssohn Bartholdys Sex­tett für Klavier, Vio­line, zwei Bratschen, Cel­lo und Kon­tra­bass aus den frühen Jahren des Kom­pon­is­ten spielt das bay­erisch-säch­sis­che Ensem­ble mit viel Elan, größtem Kön­nen und sehr konzen­tri­ert. Der Ein­gangssatz dieses Klavierkonz­erts für die Kam­mer begin­nt zügig und lässt im Ver­lauf nur min­i­mal an Span­nung nach. Die bei­den Bin­nen­sätze wer­den dann äußerst kon­trastre­ich angelegt. Einem gut durchge­formten Ada­gio fol­gt ein fast schon ungestümes, bril­lantes Menuett. Bril­lant darf dann auch ins­beson­dere das Spiel Mar­gari­ta Höhen­rieders im Finalal­le­gro genan­nt wer­den. Allerd­ings ste­hen ihr die Her­ren Stre­ich­er aus Leipzig bei ihrem Haus­gott Mendelssohn in Sachen Impul­siv­ität in nichts nach. Bis zur ras­ant genomme­nen Stret­ta funkelt und blitzt dieses Sex­tett.
Wie um den fast über­bor­den­den Schwung dieses Kehraus wieder etwas einz­u­fan­gen, liefert die „Zugabe“ auf dieser CD mit dem Ada­gio aus Mendelssohns zweit­em Klavierkonz­ert eine Novität, die dis­tin­guierte Zurück­hal­tung und Klangschön­heit har­monisch vere­int. Das von Ingfried Hoff­mann auf Anre­gung von Mar­gari­ta Höhen­rieder erstellte Arrange­ment überträgt den Orch­ester­satz des Klavierkonz­erts dabei sehr überzeu­gend auf die Quin­tet­tbe­set­zung. Und die Pianistin und ihre Stre­icherkol­le­gen find­en auch hier wieder die genau richtige Bal­ance und Abstim­mung.
Daniel Knödler