Mozart, Wolfgang Amadeus/Luigi Boccherini/Felix Mendelssohn Bartholdy

Klavierkonzert Nr. 24 KV 491 c‑Moll/Sinfonie G 506 d‑Moll/Sinfonie Nr. 1 op. 11 c‑Moll

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Thorofon CTH 2496
erschienen in: das Orchester 03/2005 , Seite 81
Es gibt CDs, die bei Musik­lieb­habern, zu denen ja auch Rezensen­ten gele­gentlich gehören sollen, sehr grund­sät­zliche Fra­gen aufw­er­fen. Zum Beispiel diese: Warum gibt es die CD über­haupt? Auch für die vor­liegende Veröf­fentlichung des Leipziger Kam­merorch­esters ist eine Antwort nicht leicht gefunden.
Fassen wir die Fak­ten zusam­men: Da ist ein Orch­ester, das im Wesentlichen aus Mit­gliedern des Gewand­hau­sor­ch­esters beste­ht. Wenn sich Musik­er dieses Kalibers außer­halb ihrer üblichen Dien­ste zu klein­er beset­zten Ensem­bles formieren, dann kann man von über­durch­schnit­tlich­er Qual­ität des Zusam­men­spiels und des Klang­bilds eben­so aus­ge­hen wie von einem lei­den­schaftlichen Zugriff, der den entschei­den­den Funken über­sprin­gen lässt. Mit dem dänis­chen Diri­gen­ten Morten Schuldt-Jensen ste­ht dem Leipziger Kam­merorch­ester ein Diri­gent vor, der sich sowohl in sein­er skan­di­navis­chen Heimat als auch bei der Akademie für Alte Musik Berlin im inzwis­chen weit­en Feld der his­torischen Musizier­prax­is getum­melt hat. Daneben ist er laut Auskun­ft des Book­lets bei diversen größeren Orch­estern regelmäßiger Gast. Franz Vorraber ist ein mehrfach inter­na­tion­al aus­geze­ich­neter Pianist aus Öster­re­ich, der in direk­ter Folge der deutsch-öster­re­ichis­chen Klavier­tra­di­tion ste­ht und schon deshalb für ein Mozart-Konz­ert ger­adezu prädes­tiniert ist.
So weit, so gut. Unter diesen an sich opti­malen Vorze­ichen entste­ht nun eine CD-Pro­duk­tion, die als Live-Mitschnitt ein Konz­ert abbildet, das am 2. März 2004 im Gewand­haus stattge­fun­den hat. Man hört makel­los­es Musizieren, und die stören­den Nebengeräusche sind weit­ge­hend eli­m­iniert wor­den. Nun mag das ange­botene Pro­gramm im Saal seine Wirkung getan haben, als CD funk­tion­iert es nur sehr bed­ingt. Mozarts c‑Moll-Konz­ert und Mendelssohns erste Sin­fonie sind beileibe keine Rar­itäten, und selb­st Boc­cheri­nis La casa del Diavo­lo-Sin­fonie gehört zu den Stück­en des ital­ienis­chen „Klein­meis­ters“, die noch am ehesten das Inter­esse der Inter­pre­ten find­en. Der Reper­toirew­ert der einge­spiel­ten Stücke tendiert also gegen Null.
Auch der Geist der Inter­pre­ta­tion trägt ins­ge­samt wenig zur Steigerung der Attrak­tiv­ität bei. Dass hier auf hohem Niveau musiziert wird, wurde schon erwäh­nt, allerd­ings ist der zugrunde liegende Ansatz eher Main­stream. Vor allem die Stücke von Mozart und Mendelssohn haben schon ganz andere Darstel­lun­gen erlebt, und selb­st ein Boc­cheri­ni, dem die Aus­führen­den beson­dere Sorgfalt angedei­hen lassen müssen, wenn seine Musik über 08/15 hin­aus­ge­hen soll, ist schon detail­ver­liebter gespielt wor­den. Hätte man wenig­stens die Rei­hen­folge auf der CD ana­log zum Konz­ert­pro­gramm belassen (der Fehldruck der Trackangaben belegt die möglicher­weise ursprüngliche Absicht), dann hätte man die Pro­duk­tion wenig­stens als hochw­er­ti­gen und unter­halt­samen Back­ground durch­laufen lassen kön­nen. Aber ein Klavierkonz­ert als Open­er, gefol­gt von zwei Sin­fonien – da bleibt selb­st eine sin­nvolle Pro­gram­m­dra­maturgie auf der Strecke. Möge diese CD im Gewand­haus-Shop als stil­volles Sou­venir für die Besuch­er kün­ftiger Konz­erte des Leipziger Kam­merorch­esters ihr angemessenes Dasein finden.
Arnd Richter