Mozart, Wolfgang Amadeus

Klarinettenkonzert / Sinfonia concertante / Symphonie Nr. 29 KV 201

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sony Classical 88697685822
erschienen in: das Orchester 10/2011 , Seite 68

Es war eine Idee von Her­bert von Kara­jan, die Aus­bil­dung des Orch­ester­nach­wuch­ses für die Berlin­er Phil­har­moniker selb­st zu organ­isieren. Grund: Die meis­ten Absol­ven­ten der Musikhochschulen waren zwar tech­nisch und somit solis­tisch gut aus­ge­bildet, für den Orch­ester­be­trieb jedoch nicht aus­re­ichend vor­bere­it­et. Mit der 1972 gegrün­de­ten Orch­ester­akademie war man in der Lage, gute Nach­wuchsmusik­er im Einzelun­ter­richt, in Kam­mer­musik­for­ma­tio­nen und in der Gemein­schaft mit den Spitzen­musik­ern in den Beruf hineinwach­sen zu lassen. Im kom­menden Jahr wird diese damals abso­lut inno­v­a­tive Ein­rich­tung bere­its vierzig Jahre alt.
Zufäl­liger­weise genau im Grün­dungs­jahr wurde der viel­seit­ige Arzt, Geiger und Kul­tur­man­ag­er Stephan Frucht geboren, der bei Sony Music als Diri­gent unter Ver­trag ste­ht. Unter sein­er Leitung ent­stand die neueste CD der Orch­ester­akademie mit drei Werken von Mozart, die als gemein­samen Nen­ner die Tonart A‑Dur haben. Mit zwei Stan­dard­w­erken der großen Orch­ester­lit­er­atur gilt es sich auf dem hart umkämpften CD-Markt zu behaupten: Da ste­ht am Anfang das Klar­inet­tenkonz­ert KV 622 mit dem Solok­lar­inet­tis­ten der Berlin­er Phil­har­moniker und Dozen­ten der Orch­ester­akademie Wen­zel Fuchs als Solis­ten, der seinem Part natür­lich nichts schuldig bleibt. Zum Schluss die Sin­fonie KV 201 von 1774, also aus der Salzburg­er Zeit.
Musikalisch bewegt sich das dur­chaus in der Oberli­ga, die neuen Auf­nah­men ver­bre­it­en Inten­sität und Hochspan­nung. Die tech­nis­chen Fähigkeit­en der jun­gen Musik­er addieren sich in den schnellen Sätzen zu einem prick­el­nd leicht­en Erleb­nis, im Ada­gio des Konz­erts und im Andante der Sin­fonie aber span­nen sie einen weit­en Hor­i­zont der Emo­tio­nen auf.
Das Werk in der Mitte ist eher eine Rar­ität: die Rekon­struk­tion eines Satzes aus ein­er Sin­fo­nia con­cer­tante, im Köchelverze­ich­nis unter 320 e zu find­en. Das Werk ist 1779 eben­falls in Salzburg ent­standen unter dem Titel Sin­fo­nia con­cer­tante a tre Stro­men­ti Vio­li­no, Vio­la, Vio­lon­cel­lo. Man weiß nicht, ob weit­ere Sätze geplant waren. Bemerkenswert ist immer­hin, dass hier auch ein­mal das Cel­lo bei Mozart solis­tisch einge­set­zt wird. Das solis­tis­che Stre­ichtrio beste­ht aus den drei promi­nen­ten Musik­ern Radoslaw Szulc, Hart­mut Rohde und Bern­hard Heden­borg, die den Alle­gro-Satz mit einem aus­geprägten Sinn für intel­li­gente Phrasierun­gen und bril­lant pointierten Solostellen beleben. Zu den Stre­ich­ern im Orch­ester kom­men nur zwei Oboen und zwei Hörn­er.
Die neue CD beweist es: Um den Orch­ester­nach­wuchs in Berlin muss man sich keine Sor­gen machen. Etwas lieb­los gemacht ist dage­gen das nur ein­sprachige Book­let. Man erfährt etwas über die Werke und den Diri­gen­ten, nicht aber über die Orch­ester­akademie als solche und die Solis­ten. Hier hätte man sich wirk­lich etwas mehr Mühe geben kön­nen.
Wolf­gang Teubner