Kammeroper Schloss Rheinsberg

Opernarien. Werke von Adam, Rossini, Massenet, Puccini u. a.

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Genuin GEN 85516
erschienen in: das Orchester 02/2006 , Seite 84

Ein nor­maler Quer­schnitt mit Arien à la Wun­schkonz­ert im Radio? So kön­nte man denken, wenn man die CD mit elf Opernar­ien aus einem Reper­toire von fünf ital­ienis­chen (Belli­ni, Donizetti, Puc­ci­ni, Rossi­ni, Ver­di) und zwei franzö­sis­chen Kom­pon­is­ten (Massenet, Adam) aus der Zeit ab 1792 bis 1924 hört. Inter­pre­ten der in Orig­i­nal­sprache und im Bel­can­to-Stil gesun­genen Arien sind sechs Solis­ten, die sich dank der Kam­merop­er Schloss Rheins­berg in den Jahren von 1998 bis 2005 pro­fil­ieren kon­nten: zwei aus Süd­ko­rea, Hyun-Ju Park (Sopran) und Ji-Young Miche (Mez­zoso­pran), zwei aus Deutsch­land, näm­lich Mar­co Jentzsch (als einziger deutsch sin­gen­der Tenor) und Friede­mann Röh­lig (Bass), sowie aus Polen Agniesz­ka Piass (Sopran) und aus Japan Teruhiko Komori (Tenor). Sie alle gel­ten als Favoriten des Sänger­nach­wuch­ses der inter­na­tionalen Opern­szene.
Die unter der kün­st­lerischen Leitung von Siegfried Matthus ste­hende Unternehmung Kam­merop­er Schloss Rheins­berg stellt eine ide­ale Verbindung von Natur, Musik und Architek­tur dar, die dem ehe­ma­li­gen Musen­hof des preußis­chen Kro­n­prinzen Friedrich (und späteren Königs Friedrich II.) eine einzi­gar­tige Atmo­sphäre ver­lei­ht. Nur 45 bis 50 jun­gen Sängern (von 500 Bewer­bern) gelingt es alljährlich, sich für die Auf­führun­gen zu qual­i­fizieren. Lohn für ihre Bemühun­gen sind die Auftrittsmöglichkeit­en in den Auf­führun­gen der Kam­merop­er Schloss Rheins­berg, deren Sprung­bret­t­funk­tion nicht zu unter­schätzen ist. Die Auf­führun­gen sind beim Pub­likum beliebt und ziehen Fach­leute des Musik­the­ater­be­triebs an. Sie alle wollen miter­leben, wie sich die jun­gen Solis­ten auf der Opern­bühne „bewähren“, und es wer­den Möglichkeit­en sondiert, den von der Fach­welt als „Geheimtipps“ erko­re­nen Favoriten ein viel begehrtes Engage­ment an eines der zahlre­ichen deutschen The­ater zu ver­mit­teln. Alle jun­gen Kün­stler blick­en zurück auf eine sorgfältige, mehrjährige Gesangsaus­bil­dung sowie auf die Teil­nahme an Meis­terkursen und sie sind Preisträger namhafter inter­na­tionaler Gesangswet­tbe­werbe.
Diese CD hat das Zeug, später zu einem raren Ton­doku­ment für Lieb­haber schön­er Stim­men zu wer­den. Auf ihr erlebt man alle Solis­ten im Früh­sta­di­um ihrer Kar­riere, die sie während der ersten fünf Jahre des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhun­derts ges­tartet haben. Namen, die nicht nur buch­stäblich auf-„hören“ lassen, son­dern die man sich merken sollte, weil sie in weni­gen Jahren zur Wel­telite der Opern­szene gehören wer­den.
Kraft-Eike Wrede