Frano Parać

Judita

Sofija Petrović, Evelin Novak, Diana Haller, Stjepan Franetović, ­Matteo Ivan Rašić, Ivica Čikeš (Gesang), Kroatischer Rundfunkchor, Münchner Rundfunkorchester, Ltg. Ivan Repušić

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: BR Klassik
erschienen in: das Orchester 1/2026 , Seite 73

Bei dem Label BR Klassik ist eine Aufnahme von Frano Paraćs erster Oper Judita auf CD erschienen. Um das Fazit einmal vorwegzunehmen: Diese hochkarätige Live-Einspielung, der eine konzertante Aufführung am Münchner Prinzregententheater von 2024 zugrunde liegt, ist absolut empfehlenswert. Hier haben wir es mit einer echten Rarität zu tun, deren Anhören Freude bereitet.
Als Vorlage diente dem 1948 in Split geborenen Parać der biblische Stoff von Judita, die ihre Heimatstadt Betulia vor den assyrischen Besatzern rettet, indem sie deren Anführer Oloferne tötet. Bezüge zu Kroatien und insbesondere zur Geburtsstadt des Komponisten werden offenkundig. Split musste sich im Lauf der Jahrhunderte immer wieder gegen die Türken zur Wehr setzen. Und Kroatien hatte sich mehrmals gegen das Osmanische Reich zu verteidigen. Auf diese Ereignisse spielte der Dichter Marko Marulić in seinem im Jahre 1501 vollendeten Epos Judita an, das Parać als Vorlage für seine Oper diente, die am 14. Juli 2000 am Kroatischen Nationaltheater in Split erfolgreich aus der Taufe gehoben wurde.
Parać hat mit seiner circa 65 Minuten langen Partitur zu einem ganz eigenen Stil gefunden, der teils moderner Natur ist, andererseits aber auch traditionelle Elemente aufweist. Die Judita ist praktisch in einer „gemäßigten Moderne“ komponiert. Mehrere Ausdrucksformen reichen sich hier die Hand. Wie in konventionellen Opern gibt es Rezitative, Arien, Duette und Chöre. Letzteren kommt hier eine ganz zentrale Relevanz zu. Auch kroatischer Kirchenmusik und glagolitischen Gesängen erweist Parać seine aufrichtige Reverenz. Insgesamt haben wir es hier mit einem sehr eindringlichen, emotionalen, teils dramatischen, teils lyrischen Klangteppich zu tun, der von Dirigent Ivan Repušić und dem bestens disponierten Münchner Rundfunkorchester mit enormer Brillanz und großer Intensität differenziert und nuancenreich vor den Ohren des begeisterten Zuhörers ausgebreitet wird.
Ebenfalls auf hohem Niveau bewegen sich die sängerischen Leistungen. Sofija Petrovi´c singt mit hervorragend italienisch fokussiertem, fulminantem und sehr dramatisch anmutendem Sopran eine ausgezeichnete Judita. Ivica Čikeš bringt robustes, bestens gestütztes Bariton-Material in die Rolle des Oloferne ein. Diana Haller leiht ihren profunden und emotionalen Mezzosopran der Abra. Evelin Novaks Ruta zeichnet sich durch einen ansprechenden Sopranklang aus. Gut gefällt der sonore Bassbariton von Sava Vermic als Eliakim. In gleicher Weise beachtlich sind die Leistungen der Tenöre Stjepan Franetović (Ozija) und Matteo Ivan Raši´c (Akior). Mächtig legt sich der Kroatische Rundfunkchor ins Zeug.
Ludwig Steinbach

 

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