Klein, Bernhard

Jephta

Oratorium, Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Dohr, Köln 2012
erschienen in: das Orchester 07-08/2012 , Seite 72

Diese umfan­gre­iche, sorgfältig edierte und exzel­lent kom­men­tierte Par­ti­tu­raus­gabe erfüllt alle Forderun­gen, die man an eine wis­senschaftlich betreute Veröf­fentlichung dieser Art stellen kann. Es han­delt sich um Band 40 der „Denkmäler rheinis­ch­er Musik“, hg. von der Arbeits­ge­mein­schaft für rheinis­che Musikgeschichte, mit dem ein Werk erst­mals voll­ständig nach heuti­gen Maßstäben pub­liziert wird, das zu sein­er Zeit recht bekan­nt war und das inner­halb der Gat­tung Ora­to­ri­um einen wichti­gen geschichtlichen Punkt zwis­chen Haydn und Mendelssohn markiert. Der Kom­pon­ist Bern­hard Klein (1793–1832) schrieb Messen, Ora­to­rien, Kan­tat­en, Chor­musik, Lieder, drei Opern und einige Instru­men­tal­musik­w­erke. Er wirk­te zunächst in Köln, später in Berlin, war Lehrer an der dor­ti­gen Uni­ver­sität und der Kirchen­musikschule und leit­ete das Nieder­rheinis­che Musik­fest 1828 in Köln, wo das Ora­to­ri­um Jeph­ta mit großem Erfolg uraufge­führt wurde.
Der Stoff entstammt dem Alten Tes­ta­ment („Das Buch der Richter“, Kapi­tel 11). Der Text von Brassier de Saint-Simon Bal­lade weicht aber in wesentlichen Punk­ten von der bib­lis­chen Vor­lage ab. Musikalisch ist das Werk geprägt von ein­er dur­chaus eigen­ständi­gen, zeit­gemäßen Adap­tion der Stilmit­tel Georg Friedrich Hän­dels, dessen Ora­to­rien, die damals in Deutsch­land immer bekan­nter wur­den, Bern­hard Klein inten­siv studiert hat. Das zeigt sich in den großen, oft­mals poly­fon angelegten Chören, in den charak­ter­is­tis­chen Soloarien und in den vom Orch­ester begleit­eten Rez­i­ta­tiv­en sowie in der wirkungsvollen drama­tis­chen Anlage des Ganzen und sein­er drei Teile.
Die Edi­tion des Noten­textes von Kar­la Schröter ein­schließlich eines Edi­tions­berichts, der alle wichti­gen Angaben enthält, wirkt gründlich, klar und kor­rekt, auch wenn man das als Rezensent naturgemäß nicht im Detail beurteilen kann. Eine wertvolle Ergänzung ist die Wieder­gabe später­er Fas­sun­gen ein­er Arie und eines Chores sowie der Abdruck des Textes im Anhang, der die Über­sicht über das Werk erle­ichtert.
Beson­ders her­vorzuheben ist das aus­geze­ich­nete, exten­sive Vor­wort von Alain Gehring. Auf über 14 Seit­en (DIN A4) liefert es zunächst eine Biografie, sodann Dat­en und Umstände der ersten Auf­führun­gen, fern­er einige Bemerkun­gen zu den Quellen und schließlich sehr kom­pe­tente und lesenswerte Inter­pre­ta­tio­nen des Textes und der Musik. Über ein Vor­wort weit hin­aus­ge­hend wer­den hier har­monis­che und motivis­che Zusam­men­hänge zwis­chen den einzel­nen Num­mern und Teilen dargestellt und viele Einzel­heit­en des Werkes ana­lytisch aufgear­beit­et. Die Nähe zu ein­er Rei­he von Händel’schen Ora­to­rien (an Beispie­len aufgezeigt), die schöpferische Auseinan­der­set­zung mit anderen his­torischen Vor­bildern und das Beson­dere der Kom­po­si­tion Bern­hard Kleins, seine per­sön­liche musikalis­che Dik­tion, kom­men hier­bei gle­icher­maßen zur Sprache.
Peter Schnaus