Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft (Hg.)

Jahrbuch für Kulturpolitik 2012

Thema: Neue Kulturpolitik der Länder

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Klartext, Essen 2012
erschienen in: das Orchester 10/2013 , Seite 61

Das Insti­tut für Kul­tur­poli­tik in Bonn gibt nun schon zum zwölften Mal in Folge sein schw­ergewichtiges Jahrbuch her­aus. Das The­ma dieser Aus­gabe ist ein kul­tur­poli­tis­ch­er Dauer­bren­ner, zu dem man eigentlich jedes Jahr ein neues Kom­pendi­um pub­lizieren kön­nte: Es geht um die neue Kul­tur­poli­tik der Bun­deslän­der. Gle­ich mehrere Kul­tus­min­is­ter kom­men mit ihren Vorstel­lun­gen, Leitlin­ien oder Pro­jek­ten zu Wort. Allein das macht das Buch schon lesenswert, selb­st wenn man unter­stellen muss, dass diese Beiträge maßge­blich von den Fach­abteilun­gen der jew­eili­gen Min­is­te­rien ver­fasst wur­den. Allerd­ings: Min­is­ter gehen, Abteilungsleit­er bleiben.
Worum geht es im Einzel­nen? Ein­lei­t­end wer­den Grund­la­gen und Entwick­lungstrends der jün­geren Lan­deskul­tur­poli­tik in Deutsch­land beschrieben. Wie ste­ht es um die Kul­tur­poli­tik und das Kul­turen­twick­lungskonzept in Nieder­sach­sen? Welche Wirkun­gen ent­fal­tet heute noch Artikel 35 des Eini­gungsver­trags, wonach die „kul­turelle Sub­stanz“ der neuen Bun­deslän­der „keinen Schaden“ nehmen darf? In weit­eren Rubriken geht es um neue Pro­gramme und Konzepte, kul­turelle Bil­dung, Kul­tur- und Kreativwirtschaft, Kul­turen­twick­lungs­pla­nung und Kul­turkonzepte, die Region­al­isierung von Kul­tur­förderung, Zukun­ft­sen­twürfe und Leitlin­ien, sparten­be­zo­gene Konzepte (z. B. für Museen oder The­ater und Orch­ester), Kul­tursta­tis­tik und Kul­tur­wis­senschaft sowie die Aus­blicke über die Gren­zen nach Öster­re­ich und in die Schweiz.
Aus der Vielzahl der Beiträge seien einzelne beson­ders her­vorge­hoben: Ulrike Blu­men­re­ich beispiel­sweise liefert eine inter­es­sante Bestand­sauf­nahme zu den Kul­turbes­tim­mungen in den einzel­nen Län­derver­fas­sun­gen sowie zu aktuellen oder geplanten Kul­tur­förder- oder Kul­tur­fachge­set­zen. Nach­dem das säch­sis­che Kul­tur­raumge­setz von 1994 lange ein Solitär war, ist jet­zt auch in Nor­drhein-West­falen ein Kul­tur­förderge­setz in Pla­nung. Elke Har­jes-Eck­er, Abteilungslei­t­erin im Thüringer Kul­tus­min­is­teri­um, beschreibt die Auswirkun­gen und Her­aus­forderun­gen des demografis­chen Wan­dels, hier ins­beson­dere des Bevölkerungsrück­gangs, für die Kul­tur­poli­tik in den neuen Bun­deslän­dern. Das 2012 veröf­fentlichte Kul­turkonzept des Lan­des soll dabei die Grund­lage für zukün­ftige über­re­gionale Kul­turen­twick­lungs­pla­nun­gen bilden.
Während die meis­ten Beiträge, fach­lich oder poli­tisch motiviert, eher nüchtern geschrieben wur­den, fällt der Beitrag von Rita Ger­lach-March als erfrischend kri­tisch, aber dur­chaus angemessen aus dem Rah­men: Unter der Über­schrift „Der let­zte Vorhang?“ beschreibt sie, wie im Land Meck­len­burg- Vor­pom­mern nun­mehr seit mehreren Jahren heftig über die Zukun­ft der The­ater und Orch­ester gestrit­ten wird. Wer sich mit Kul­tur­poli­tik und ‑finanzierung auf Kom­mu­nal- und Lan­desebene befassen muss, wird im Jahrbuch für Kul­tur­poli­tik 2012 zahlre­iche Anre­gun­gen und Argu­mente find­en. 
Ger­ald Mertens