Im Takt der Zeit

125 Jahre Berliner Philharmoniker, einzigartige Momente auf 12 CDs, mit Begleitbuch

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Stiftung Berliner Philharmoniker, Berlin 2006
erschienen in: das Orchester 05/2007 , Seite 80

125 Jahre sind für ein Orch­ester, zumal für ein deutsches, eigentlich kein Alter. Ensem­bles wie die Säch­sis­che Staatskapelle Dres­den oder das Staat­sor­ch­ester Kas­sel kön­nen da nur milde lächeln. Doch auch das Orch­ester, das in diesem Jahr sein 125-jähriges Beste­hen feiert, hat gut lachen. Denn trotz ihrer ver­gle­ich­sweise noch jun­gen Gesichte ste­hen sie heute an der Spitze der Orch­esterliste: die Berlin­er Phil­har­moniker.
Das Schaf­fen des Orch­esters ist in ungezählten Auf­nah­men, darunter zahlre­iche, die sich als Ref­eren­za­uf­nah­men etabliert haben, so gut doku­men­tiert, wie es bei kaum einem anderen Orch­ester der Fall ist. Wenn nun die Berlin­er Phil­har­moniker zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine eigene CD-Edi­tion her­aus­geben, ist man erstaunt darüber, wie viele musikalis­che Perlen es noch gibt, von denen man erwartet hätte, dass sie schon früher dem inter­essierten Pub­likum zugänglich gemacht wor­den wären. Das Eige­nar­chiv und jenes des Rund­funks jedoch sind so über­re­ich gefüllt mit Erstk­las­sigem, dass man wahrschein­lich müh­e­los noch eine weit­ere Edi­tion her­aus­geben kön­nte. Im Takt der Zeit beste­ht aus zwölf CDs, auf denen gewis­ser­maßen an entschei­den­den musikalis­chen Weg­marken die His­to­rie des Orch­esters nachzu­vol­lziehen ist. Zu hören sind selb­stver­ständlich Auf­nah­men mit sämtlichen Chefdiri­gen­ten der Phil­har­moniker (außer Bülow) sowie anderen großen Diri­gen­ten, die dem Orch­ester häu­fig über län­gere Zeit eng ver­bun­den sind bzw. waren: Daniel Baren­boim, Niko­laus Harnon­court, Kurt Sander­ling, Erich Kleiber, Sergiu Celi­bidache, David Ois­tra­ch und Jascha Horen­stein.
Nicht alle Auf­nah­men dieser CD-Edi­tion set­zen Maßstäbe, dafür aber kann man beispiel­sweise Diri­gen­ten mit Werken erleben, die für ihr Reper­toire eher ungewöhn­lich sind. Auch manche Aus­grabun­gen (z.B. Debussys Jeux mit Celi­bidache, 1948) und Rar­itäten sind mit Begeis­terung zu ent­deck­en. Emo­tion­al bewe­gend und von doku­men­tarischem Wert sind Auf­nah­men wie die vom „Maueröff­nungskonz­ert“ am 12. Novem­ber 1989 oder vom Eröff­nungskonz­ert der Berlin­er Phil­har­monie am 15. Okto­ber 1963 (Beethovens Neunte, dirigiert von Kara­jan).
Alles in allem eine großar­tige Samm­lung, die nicht nur die Entwick­lung der Berlin­er Phil­har­moniker, son­dern auch all­ge­mein die der Spiel- und Klangkul­tur der Orch­ester im 20. Jahrhun­dert und nicht zulet­zt wesentliche his­torische Ereignisse doku­men­tiert.
Ulrich Ruhnke