Schumann, Robert

Im Dichtergarten

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Coviello Classics COV 51007
erschienen in: das Orchester 02/2011 , Seite 74

Robert Schu­manns Leben war bekan­nter­maßen nicht nur von der Musik, son­dern auch von sein­er Lei­den­schaft zur Lit­er­atur geprägt. So sam­melte er in sein­er Düs­sel­dor­fer Zeit ab 1852 Äußerun­gen von Dichtern, Philosophen und Musik­ern über die Musik. Diese erst 2007 veröf­fentlichte Antholo­gie Dichter­garten für Musik gab der vor­liegen­den CD
ihren pro­gram­ma­tis­chen Titel. Auf der vom bär­mann trio musikalisch dominierten Ein­spielung wer­den Bear­beitun­gen Schumann’scher Musik für die Trio-Beset­zung Klar­inette, Bas­set­thorn und Klavier, die ihren Ursprung in den Konz­ert­stück­en Felix Mendelssohn Bartholdys hat, mit Tex­ten aus dem Dichter­garten und klavier­be­gleit­eten Melo­dra­men Schu­manns zu ein­er abwech­slungsre­ichen lit­er­arisch-musikalis­chen Hörstunde verknüpft. Eine Präsen­ta­tions­form, die im Konzertleben inzwis­chen häu­figer anzutr­e­f­fen ist, aber als CD-Pro­duk­tion noch sel­tener zu find­en ist.
Der Bas­set­thor­nist des bär­mann trios, Ulrich Büs­ing, ist zugle­ich auch der Arrangeur der Schu­mann-Werke. Aus Man­gel an orig­i­naler Lit­er­atur für die Beset­zung seines Ensem­bles hat er Schu­manns Stu­di­en für Ped­alflügel op. 56 und die Impromp­tus op. 66 für Klavier zu vier Hän­den, die auch als Bilder aus dem Osten bekan­nt sind, ein­fühlsam bear­beit­et. Dabei hat er es nicht darauf angelegt, den Melodie­in­stru­menten zu aus­druck­vollen Solis­ten­parts zu ver­helfen, sie geben den einzel­nen Sätzen mehr Kolorit und verdeut­lichen die motivis­chen Verästelun­gen. Die Ped­alflügel­stu­di­en sind über­wiegend kon­tra­punk­tis­che Arbeit­en, die darüber hin­aus aber auch poet­is­chen Geist ver­strö­men und an vie­len Stellen durch die Tri­obe­set­zung, unauf­fäl­lig unter­stützt durch einen von Ulrich Franck gespiel­ten Kon­tra­bass, eine Her­vorhe­bung der poly­fo­nen Struk­tur erfahren.
Der Präsenz des bär­mann trios auf der CD ist auch die Bear­beitung der vier­händi­gen Brahms’schen Klavier-Vari­a­tio­nen Es-Dur op. 23 geschuldet, die auf ein The­ma Schu­manns zurück­ge­hen. Der Klar­inet­tist Sven van der Kuip, Ulrich Büs­ing und der rou­tinierte Pianist John Noel Attard musizieren in fein­er dynamis­ch­er Abstu­fung, wobei den Bläsern häu­fig die Mit­tel­stim­men des Orig­i­nals über­tra­gen wer­den. An die Gren­zen der Bear­beitung­stech­nik stößt allerd­ings die 9. Vari­a­tion, deren klan­gliche Wirkung mit den orig­i­nalen oktavierten Klavier­läufen durch die Tri­obe­set­zung nicht erre­icht wird.
Im Wech­sel mit den Trio-Beiträ­gen kommt das dich­ter­ische Ele­ment in den melo­drama­tis­chen Bal­laden-Ver­to­nun­gen von Friedrich Hebbels Schön Hed­wig op. 106 und Der Hei­dekn­abe op. 122 Nr. 1 sowie Per­cy B. Shel­leys Die Flüchtlinge op. 122 Nr. 2 zu Wort. Bir­git Kindler ist die anschaulich erzäh­lende und drama­tisch gestal­tende Rez­i­ta­torin der Bal­laden, unter­stützt von sparsamen Klavier­akzen­ten. Aus dem Dichter­garten wer­den kurze Texte von E.T.A. Hoff­mann, Jean Paul und Got­thold Ephraim Less­ing vor­ge­tra­gen.
Neben dem ungetrübten Hör­genuss zeich­net die CD auch ein vorzüglich­es Beglei­theft mit Tex­ten von Astrid Kon­ter aus.
Herib­ert Haase