Teodulo Mabellini

Il fiume. Scherzo

Heitere Fuge in a-Moll für Streichquartett, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Dohr
erschienen in: das Orchester 03/2018 , Seite 64

Ken­nen Sie Teo­du­lo Mabelli­ni? Nein? Macht nichts, ich kan­nte ihn bish­er auch noch nicht! Die Edi­tion Dohr fördert immer wieder in Vergessen­heit ger­atene Preziosen aus der Roman­tik zu Tage und beschert uns jet­zt Il fiume. Scher­zo mit dem Unter­ti­tel „Heit­ere Fuge für Stre­ichquar­tett“. Dieser Herr Mabelli­ni war in sein­er Zeit ein bedeu­ten­der und wei­thin anerkan­nter Meis­ter. Er gehörte zu den zwölf Kom­pon­is­tenkol­le­gen, die Giuseppe Ver­di 1868 ein­lud, mit ihm zusam­men gemein­schaftlich eine Toten­messe für den ger­ade ver­stor­be­nen Rossi­ni zu schreiben, die 1869 zum 1. Todestag des Meis­ters uraufge­führt wer­den sollte (wozu es aber nicht kam, sodass die Mis­sa per Rossi­ni erst 1988, also über 100 Jahre später, erst­ma­lig erk­lang – übri­gens in Stuttgart).
Geboren wurde Teo­du­lo Mabelli­ni am 2. April 1817 in der Nähe von Flo­renz. Sein Vater war Musik­er und Instru­menten­bauer und ver­mit­telte dem Fil­ius erste musikalis­che Grund­ken­nt­nisse, Auf­takt zu ein­er soli­den Aus­bil­dung, die Mabelli­ni 1841 als Meis­ter­schüler von Save­rio Mer­cadante abschloss. In der Folge arbeit­ete er vor allem als Diri­gent und prägte u.a. als Leit­er des Teatro del­la Per­go­la in Flo­renz maßge­blich die musikalis­che Szene in sein­er Heimat­stadt und darüber hin­aus in ganz Ital­ien. Mabelli­ni set­zte sich tatkräftig für die „neue“ Musik sein­er Zeit ein, führte zahlre­iche sin­fonis­che Werke aus­ländis­ch­er – etwa deutsch­er, österreichi­scher oder franzö­sis­ch­er – Kom­pon­is­ten erst­ma­lig in Ital­ien auf und leis­tete einen bedeu­ten­den Beitrag dazu, diese Musik fest und auf Dauer in ital­ienis­chen Konz­ert­pro­gram­men zu etablieren.
Als Kom­pon­ist hin­ter­ließ er ein recht umfan­gre­ich­es Œuvre. Wir zählen allein neun Opern. Daneben schuf er vor allem Sakral­musik: Messen, Kan­tat­en, Ora­to­rien, zahlre­iche einzelne Ordi­nar­i­umssätze, aber nur sehr wenig reine Instru­men­tal­musik. Das vor­liegende Scher­zo aus dem Jahr 1870 ist sein einziges Stück für die Beset­zung Stre­ichquar­tett. Mabelli­ni schrieb diese „kon­tra­punk­tis­che Fin­gerübung“ wohl als Präsent für einen befre­un­de­ten Geiger.
Man pflichtet Gui­do Johannes Joerg gerne bei, der im Nach­wort schreibt: „Die Kom­po­si­tion, die einen fließen­den, strö­menden Fluss darzustellen vorgibt, ist ein kun­stvoll gear­beit­etes kon­tra­punk­tis­ches Meis­ter­w­erk, das auf kleinem Raum alle Tech­niken der Fugenkom­po­si­tion durchex­erziert und diese mit­tels eines ein­prägsamen, ini­tial akzen­tu­ierten The­mas auch beim bloßen Hörein­druck deut­lich erkennbar macht.“ Das Ganze klingt flüs­sig und ital­ienisch-spritzig, weit ent­fer­nt von jen­er krach­led­er­nen Handw­erk­lichkeit, die manche weniger geglück­te Fuge (und davon gibt es viele) „ausze­ich­net“.
Ich kön­nte mir gut vorstellen, dass dieses hüb­sche Scher­zo Platz im Reper­toire etabliert­er Quar­tet­tensem­bles find­et, sei es als Zugabe oder als Pro­gram­mergänzung.
Die vor­liegende Aus­gabe, die Stim­men und Par­ti­tur vere­int, ist sorgfältig edi­tiert, enthält ein infor­ma­tives Nach­wort, einen peniblen Kri­tis­chen Bericht sowie den Fak­sim­i­le-Abdruck der ersten Par­ti­tur­seite von Mabelli­nis Manuskript.
Her­wig Zack