Willi, Herbert

Hello” and “See you again” für Bläserquintett

Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2009
erschienen in: das Orchester 05/2010 , Seite 68

Das rund 15-minütige Bläserquin­tett von Her­bert Willi hat einen lau­ni­gen Titel, für den es in allen Kul­turen der Welt idioma­tis­che Entsprechun­gen gibt: „Hal­lo“ und „Auf Wieder­se­hen“ sind kon­ven­tionelle Phrasen, die ganze Geschicht­en ein­rah­men kön­nen, die sich bei Begeg­nun­gen zwis­chen zwei oder mehreren Per­so­n­en entwick­eln.
So vielschichtig und inter­na­tion­al wie der kryp­tis­che Titel ist auch die Anlage der sechs kurzen Sätze, die der öster­re­ichis­che Kom­pon­ist als Auf­tragswerk für das Kusat­su Inter­na­tion­al Music Fes­ti­val in Japan schrieb und die eben­da im Som­mer 2008 durch das Ensem­ble Wien-Berlin ihre Urauf­führung erlebten.
Gle­ich im Eröff­nungssatz, gewis­ser­maßen ein­er Begeg­nung von Fagott und Klavier (!), sprengt der Kom­pon­ist die Beset­zung des kon­ven­tionellen Bläserquin­tetts, wobei „der Klavier­part von einem der freien Bläs­er gespielt“ wer­den soll. Neben eingängig swin­gen­den Rhyth­men sind hier vom Fagot­tis­ten auch ruhige Pas­sagen mit exper­i­mentellem Ober­ton­spiel zu gestal­ten. Den zweit­en Satz dominiert die Flöte, die über weite Streck­en solis­tisch „dem Vogelk­lang angenähert“ in den höch­sten Tönen tir­iliert. Zum Beginn des fol­gen­den Satzes greifen alle Stim­men diesen Ges­tus auf, um dann bald in sta­tis­chere Klangflächen und leis­es­tes Pianis­si­mo zu mün­den. Aus diesem Ruhep­unkt in der Mitte des Stücks schwingt sich im vierten Satz die Oboe mit lyrischen Kan­tile­nen auf, und nach einem Klar­inet­ten­so­lo fol­gt eine von jed­er Stimme frei zu gestal­tende Pas­sage, die durch die zahllosen Möglichkeit­en der Kom­bi­na­tio­nen in jed­er Auf­führung zu anderen inter­es­san­ten klan­glichen Resul­tat­en führen kann. Im fün­ften Satz dann macht der Kom­pon­ist ein­er­seits sehr detail­lierte Angaben zur Aus­führung der einzel­nen Stim­men, indem er z.B. vier ver­schiedene Arten von Fer­mat­en beze­ich­net; ander­er­seits ermuntert er die Inter­pre­ten in der Spielan­weisung auch hier wieder zur indi­vidu­ellen Gestal­tung bes­timmter Abschnitte. Hohe Anforderun­gen an die Vir­tu­osität der einzel­nen Musik­er sowie an die Syn­chro­ni­sa­tion des Zusam­men­spiels stellt der Final­satz, der durch den Wech­sel von min­i­mal­is­tis­chen Stac­ca­toakko­r­den und auss­chweifend­en Arpeg­gien besticht.
Dieses Werk kann nicht „vom Blatt“ gespielt wer­den, son­dern muss in den Proben von sou­verä­nen und exper­i­men­tier­freudi­gen Musik­ern gemein­schaftlich konzip­iert und erar­beit­et wer­den. Die heit­ere Grund­stim­mung der Kom­po­si­tion freilich lässt immer ein leicht­es Augen­zwinkern erken­nen, das in der Auf­führung hör­bar sein sollte; dann wer­den Musik­er und Zuhör­er gle­icher­maßen viel Spaß an diesem Werk haben.
Bernd Distelkamp