Alain Claude Sulzer (Hg.)

Haydn! Eine literarische Sinfonie

mit Alfred Brendel, Lily Brett, Elke Heidenreich, Daniel Kehlmann, Eva Menasse, Margriet de Moor, Péter Nádas, Hanns-Josef Ortheil u. a.

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Die Andere Bibliothek, Berlin
erschienen in: das Orchester 6/2026 , Seite 70

Mit seinem bunten Einband signalisiert das Buch bereits etwas Außergewöhnliches; dann der provokativ in großen schwarzen Lettern vertikal aufgedruckte und mit Ausrufezeichen versehene Buchtitel Haydn!: Bereits der erste Eindruck vermittelt das Gefühl, dass man es hier nicht mit einer typischen Komponistenbiografie oder einem üblichen Musikbuch zu tun hat. Genau das will der Band auch nicht sein, was man fast als Anspielung auf den Verlagsnamen „Die Andere Bibliothek“ verstehen könnte. Der Komponist Joseph Haydn schien ein idealer Anknüpfungspunkt zu sein. Anders als bei Mozart, Beethoven und Schubert, deren Leben von tragischen Umständen geprägt war, kann man bei Haydn solche Umstände nicht entdecken, „bestenfalls eine unglückliche Ehe und ein problematisches Angestelltenverhältnis“, schreibt der Herausgeber Alain Claude Sulzer im Vorwort. „Keine guten Voraussetzungen für Biografen, die auf Effekte aus waren“, resümiert Sulzer, aber seiner Meinung nach die beste für das Buchprojekt. Damit ist die Grundlage für den Band gelegt – und das Ergebnis kann sich sehen lassen!
Entstanden ist ein Zugang zu Haydn, der unter vielseitigen Perspektiven erfolgt, was bereits die Zusammensetzung der Autor:innen widerspiegelt: Mit dabei sind Musikkenner wie der kürzlich verstorbene Starpianist Alfred Brendel oder die Autorin Elke Heidenreich, aber auch Personen, welche in ihrem beruflichen Wirken der Musik eher fernstehen. Gerade diese Mischung ermöglicht vielseitige Perspektiven auf Haydn und sein Schaffen: vom analytischen Blick des Profis bis zu den bewundernden Beschreibungen des interessierten Laien.
Die Systematik des Bands erlaubt eine sinnvolle Orientierung: Jedem Beitrag sind die drei jeweils gleichen Fragen an die Autorin oder den Autor vorangestellt: Persönliches Haydn-Lieblingswerk? Was man Haydn bei einer persönlichen Begegnung sagen würde? Und die Bitte um eine eigene Stellungnahme zu Haydns berühmt gewordener Äußerung gegenüber Mozart anlässlich seiner Abreise nach London. „Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt“, soll Haydn damals gesagt haben. Die unterschiedlich ausfallenden Antworten verdeutlichen die vielfältigen Sichtweisen und Wirkungen, die Haydn auszulösen vermag. Gerade die subjektiven, vielleicht aus widersprüchlichen Eindrücken sind es, welche den besonderen Reiz des Bands ausmachen und garantieren damit zugleich eine inspirierende und spannende Lektüre.
Bernd Wladika

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