Reinke, Gerd

Have Fun with the Double Bass

Kontrabass-Schule für Kinder + Laienmusiker, Bd.1, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Boosey & Hawkes/Bote & Bock, Berlin 2013
erschienen in: das Orchester 12/2013 , Seite 75

Nach ein­er vier­bändi­gen Kon­tra­bass-Schule mit dem Titel enjoy the dou­ble bass legt Gerd Reinke nun eine kurzge­fasste Basss­chule für Kinder vor: Have Fun with the Dou­ble-Bass.
Reinke, ein­er der pro­fil­iertesten deutschen Kon­tra­bassis­ten, ruinierte sich 1997 in Israel mit einem sehr eige­nar­ti­gen „Scherz“ seine Musik­erkar­riere. Als heute 72-Jähriger müsste er es eigentlich wis­sen, dass das Ler­nen eines Instru­ments kein leichter Spazier­gang ist und sich das mit dem „Enjoyen“ manch­mal in Gren­zen hält. Natür­lich muss man die Lehrstun­den für Kinder (gedacht ist hier an eine Alters­gruppe um zehn Jahre) lock­er gestal­ten und durch lustige Zeich­nun­gen zugänglich machen. Das geschieht hier dur­chaus bemerkenswert. Dieses neue Heft ist jedoch keine neue Idee, es rei­ht sich ein in eine bere­its größere Zahl von Veröf­fentlichun­gen wie Kon­tra­bass-ABC für jün­gere und ältere Bassis­ten von Thomas Groß­mann, Kon­tra­bass-Spie­len mit Paule von Peter Schön­feld oder Kont­rabass! – Eine Schule für Kinder und Jugendliche von Thomas Schlink, um nur einige zu nen­nen.
Das große Inter­esse an einem frühen Beginn auf dem (Vier­tel- oder Hal­ben) Bass ist aus päd­a­gogis­ch­er Sicht äußerst pos­i­tiv und natür­lich im Sinne aller Schu­lorch­ester, der Unter­richt darf aber nicht als reine Spaß-Ver­anstal­tung ange­se­hen wer­den. Musik soll Freude machen, doch vor den Erfolg haben die Göt­ter den Schweiß geset­zt. Das ist beim Kon­tra­bass sog­ar in mehrfach­er Hin­sicht vor­pro­gram­miert. Vor allem: Auch diese neue Veröf­fentlichung von Reinke eignet sich nicht zum Selb­st­studi­um, obwohl der Autor expliz­it auch Laien­musik­er ein­lädt, dieses Heft zu benutzen (sie müssen sich halt über sein ver­traulich­es „du“ hin­wegset­zen). Alle Infor­ma­tio­nen zum Instru­ment, zur Hal­tung, zum Fin­ger­satz und zum Spiel sind natür­lich abso­lut richtig, das ste­ht bei Reinke völ­lig außer Frage: Auf nur weni­gen Seit­en ist das Wesentliche erk­lärt und mit Bildern und Noten­beispie­len aus­re­ichend belegt. Ein guter Lehrer wird sich für diesen Schnel­llehrgang aber hof­fentlich genü­gend Zeit nehmen.
Wichtig ist dem Autor das frühe Musizieren mit dem notge­drun­gen kleinen Ton­vor­rat. Hier gibt es auf zahlre­ichen Seit­en erfreulich viele Beispiele und Möglichkeit­en, sehr bald auch mit ein­er Klavier­be­gleitung. Dafür liegt eine Beilage für das Klavier bei. Sollte kein Pianist in der Nähe sein, hil­ft auch eine CD, zumin­d­est einige der Stücke zu unter­stützen. Das Heft kommt über die halbe Lage (bei Siman­dl war es die „gewöhn­liche Lage“) nicht hin­aus. Am Schluss dieses Bands 1 soll der Anfänger dann entschei­den, ob er weit­er­ma­chen will (Band 2 ist schon parat) oder ob er aufhören will. Reinkes Heft ist zweis­prachig (deutsch und englisch) und somit inter­na­tion­al ein­set­zbar.
Eine weit­ere Möglichkeit also, sich dem Bass zu näh­ern und sich mit ihm anzufre­un­den.
Wolf­gang Teubner