Harp Recital

Werke von André Caplet, Germaine Tailleferre, Carl Philipp Emanuel Bach, Heinz Holliger, Benjamin Britten

Rubrik: CDs
Verlag/Label: audite 92.561
erschienen in: das Orchester 10/2006 , Seite 96

Ein großes Kom­pli­ment an Sarah O’Brien! Vir­tu­osität, Musikalität, die Liebe zum Instru­ment, all das spürt und erlebt man auf dieser vor­liegen­den CD. Sarah O’Brien schätzen wir als eine inter­na­tion­al anerkan­nte Har­fenistin. Mit hohen Ausze­ich­nun­gen schloss sie ihre Stu­di­en bei Cather­ine Eisen­hof­fer (Genf), Pierre Jamet (Paris) und Susann McDon­ald (Bloom­ing­ton IN, USA) ab. Darüber hin­aus gewann sie zahlre­iche Preise bei inter­na­tionalen Wet­tbe­wer­ben. Neben ihrer Tätigkeit als Solo­har­fenistin, erst im Con­cert­ge­bouw Orch­ester Ams­ter­dam und jet­zt bei den Münch­n­er Phil­har­monikern, ist sie über­all auf der Welt als Kam­mer­musik­erin und Solistin zu hören. Eben­so unter­richtet sie an mehreren Hochschulen wie u.a. am Mozar­teum in Salzburg und Basel.
Ihre beson­dere Liebe gilt der mod­er­nen Har­fen­lit­er­atur. Das zeigt sie mit ihrer Auswahl von Solow­erken auf dieser CD. Ange­fan­gen mit André Caplets Deux Diver­tisse­ments à la française et à l’espagnole über Ger­maine Taille­fer­res Sonata pour harpe unter­bricht O’Brien ihren großen inhaltlichen Bogen mit dem Solo für die Harfe von Carl Philipp Emanuel Bach. Mit Präludi­um – Arioso – Pas­sacaglia von Heinz Hol­liger und der Suite op. 83 von Ben­jamin Brit­ten führt sie uns dann wieder in die Mod­erne zurück.
Sehr inter­es­sant finde ich das Book­let: „Etwas ganz Beson­deres… Sarah O’Brien im Gespräch“, so lautet die Über­schrift. Flo­ri­an Hauser stellt O’Brien Fra­gen zur Geschichte der Harfe, zur Auswahl der Stücke und deren Bedeu­tung in der Entwick­lung der Har­fen­lit­er­atur. Er kon­sta­tiert, dass O’Brien den roman­tis­chen Block zwis­chen Bach und Caplet aus­ließe, was O’Brien u.a. damit begrün­det, dass es in dieser Epoche an inter­es­san­ter Lit­er­atur man­gle.
Ergänzend möchte ich allerd­ings auf die Bedeu­tung der Klas­sik hin­weisen. Mozart und Spohr z.B. haben mit ihren Kom­po­si­tio­nen Meilen­steine in der Har­fen­lit­er­atur geset­zt, eben­so u.a. Saint-Saëns und Fau­ré aus der Roman­tik. Auf die Frage nach den Spielmöglichkeit­en zu Bachs Zeit­en antwortet O’Brien: „Seine Sonate ist die erste wirk­liche Har­fen­sonate, hier begin­nt die Lit­er­atur.“ Ich möchte ein­fü­gen, dass nicht zulet­zt John Par­ry (1710–1782) Sonat­en für die Triple Harp geschrieben hat.
O’Brien erläutert ihre Stücke sehr pro­fes­sionell. Wir haben es bei dieser Ein­spielung mit kom­pe­ten­ter und werkge­treuer Wieder­gabe zu tun, gepaart mit großem musikalis­chen Reich­tum. Beson­ders beein­druck­end sind die Inter­pre­ta­tion des Stücks von Hol­liger oder die sauberen Verzierun­gen bei Bach. Einzig in der Suite von Brit­ten wirft sie einige Textfra­gen auf, was den Gesamtein­druck aber nicht beein­trächtigt. Zum Schluss spielt sie den Choral Hymn St. Denio im Orig­i­nal. Der let­zte Satz der Suite stellt eine Para­phrase über diesen Choral dar und endet mit der Dom­i­nante, während das Lied in der Toni­ka aufhört – ein wun­der­bar­er Abschluss dieser CD.
Mar­i­on Hofmann