Ingo Hoddick
HANNOVER: Krieg und Hunde
Die Staatsoper Hannover brachte die meisterhafte Oper „Penthesilea“ nach Heinrich von Kleist von Pascal Dusapin zur kongenialen deutschen Erstaufführung
Eine Frau und ein Mann, verbunden durch einen Krieg und wie besessen davon, den anderen zu besiegen: die Amazone Penthesilea und der Grieche Achilles. Als Heinrich von Kleist 1806/07 aus diesem antiken Mythos ein Theaterstück machte, kehrte er das grausame Ende der Geschichte um: Nicht Achilles erschlägt Penthesilea und verliebt sich anschließend in den Körper der Toten, sondern Penthesilea verliebt sich in Achilles, tötet ihn und zerfleischt seine Leiche mithilfe ihrer Hunde. Kleists Trauerspiel irritierte seine Zeitgenossen, denn Erotik und Aggression erscheinen darin austauschbar, Frauen kämpfen wie Männer, Jäger werden zur Beute und Penthesilea zum Tier. So stellten sich Kleists Zeitgenossen weder die Antike noch das Theater vor. Da half es auch nicht, dass die grausamsten Szenen nicht auf der Bühne gezeigt, sondern nur berichtet werden: Penthesilea wurde zu Lebzeiten des Autors nie aufgeführt und fand erst im 20. Jahrhundert Interesse und Verständnis.
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