Alexander Mottok
HAMBURG: Wenn die Gefährtin den Helden überstrahlt
Trauer, (Anti-)Heldentum und Menschlichkeit beim Konzert der Hamburger Symphoniker in der Laeiszhalle
Ein Waterphone (ein wassergefüllter Klangkörper mit Bronzestäben) taumelt und weint, die heruntergestimmten Violoncelli klagen im Einklang mit dem Scheppern der kollidierenden Harfensaiten und über allem beugt sich eine seufzende kleine Sekunde immer wieder über das Soloklavier – Jörg Widmanns Trauermarsch für Klavier und Orchester leuchtet die entlegenen und bisher unerforschten Farben und Formen menschlicher Trauer auf überraschende und erschütternde Weise aus. Im Konzert der Hamburger Symphoniker darf der konzentriert und eindringlich zu Werke gehende Pianist Anton Gerzenberg dieses Sekundmotiv allein in den ersten sechs Takten bis ins Letzte ausloten, dann wiederum verzweifelt um Gehör ringen, wenn die Trauer in Form des überwältigenden Orchesterklangs über ihn hereinbricht. Schließlich verstummt der Pianist in eine Stille hinein, die den Konzertraum erstarren lässt. Jörg Widmanns Werk hat Charakter, und suchte man an diesem Abend auch vergebens nach Marsch-Elementen im experimentierfreudigen Trauermarsch, so war jedenfalls die Trauer im Ausdruck allgegenwärtig. Ungewöhnlich, aber spannend: die furiose Zugabe aus dem Klavier-Trompetenkonzert von Dmitri Schostakowitsch mit wilden Dialogen zwischen Klavier, Solotrompete (Haein Kang) und der Streichergruppe.
Lesen Sie weiter in Ausgabe 6/2026.

