Jens Daniel Schubert

Görlitz: Mit Witz gegen die Sintflut

Das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau inszeniert Donizettis Oper „Viva la Mamma!“ im leerstehenden Kaufhaus

Rubrik: Bericht
erschienen in: das Orchester 6/2023 , Seite 50

Lachen, auch wenn einem das Wasser bis zum Hals steht? Theaterleute können das! Das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau hat schon so manches durchgemacht: Sparrunden, Fusionierung, Orchesterzusammenlegung, jahrelange Haustarifverträge. Gerade geht es mal wieder um die Subs­tanz. Um die Zuschüsse für die gestiegenen Gagen und um die Erhaltung des schönen Theaterhauses. Die Sanierung der „kleinen Semperoper“ ist nach dem Unfall mit der Sprinkleranlage, die Bühne und Technik zerstörte, unumgänglich. Um überhaupt zu produzieren, spielt man im alten, seit Jahren leerstehenden Jugendstil-Kaufhaus. Dessen Verfallsspuren sieht man in den Filmen, die dort gedreht wurden (Das Haus der Träume), nicht, das Theaterpublikum sieht sie schon. Es sitzt unter der gewaltigen Glaskuppel, vor den malerischen Treppen-Konstruktionen, die Robert Schrag in seine Ausstattung einbezogen hat. Die Schilder, die „Räumungsverkauf“ und Rabatt-Prozente verkünden, werden im Laufe des Stücks in Theaterkulissen einer antiken Idylle verwandelt. Es geht um die Oper Romulus und Ersilia und der Theaterkenner kombiniert, dass man Donizettis turbulente Opernparodie Viva la Mamma! spielt.

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