Erck, Alfred

Geschichte des Meininger Theaters

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Südthüringisches Staatstheater, Meiningen 2006
erschienen in: das Orchester 05/2007 , Seite 72

175 Jahre The­atergeschichte – da kann eine Menge passieren. Und im Meininger The­ater, das weiß man schon lange, hat es immer wieder Phasen gegeben, in denen dort über­re­gion­al Beachtetes passierte, schlicht: Aufre­gen­des. Eine geschlossene Darstel­lung fehlte bis­lang über diese 175 Jahre span­nend­ster Musikgeschichte, ganz beson­ders im Hin­blick auf deutsche Orch­ester- und Inter­pre­ta­tion­skul­tur. Vom Wirken Hans von Bülows in Meinin­gen hat jed­er schon ein­mal gehört, von dem von Chris­tine Mielitz eben­so. Aber auch in der Zeit zwis­chen Bülow und Mielitz wurde im Südthüringis­chen eine aufre­gende The­ater­tra­di­tion fort­ge­set­zt.
Ein­er, der ein ver­hält­nis­mäßig großes Stück dieser Geschichte leib­haftig beobachtet hat, hat im Auf­trag des Haus­es die 175 Jahre aufgear­beit­et und zwis­chen zwei Buchdeck­el gebracht: Alfred Erck, emer­i­tiert­er Pro­fes­sor der TU Ilme­nau, wirk­te seit 1964 als The­aterkri­tik­er in Meinin­gen. Was Erck zusam­men­trägt in sein­er Beschrei­bung von den Anfän­gen bis zur Gegen­wart ist aber nicht nur Meininger The­atergeschichte, son­dern The­atergeschichte all­ge­mein.
Von der Grün­dung bis zur Gegen­wart wer­den Höhe- und Tief­punk­te beschrieben, und das mit Blick auf alle Sparten. Nicht nur Freaks find­en hier etwas, aber die auch. Man begeg­net Namen und Bildern von Men­schen, die Meinin­gen als Sprung­brett genutzt, die dieses The­ater aber auch vor­ange­bracht haben. Da wird die The­ater­reform von Her­zog Georg II. ver­ständlich erläutert, die weit ins deutsche Sprechthe­ater hinein wirk­te; über Johannes Brahms’ und Richard Strauss’ Wirken an der Spitze der Hofkapelle wird berichtet, eben­so über das Max Regers. Auch die wech­selvollen DDR-Jahre wer­den beleuchtet. Meinin­gen hat sich hier seinen Platz als zweite Brecht-Bühne des Lan­des erobert.
Der hochw­er­tig aus­ges­tat­tete und reich­lich illus­tri­erte, fak­ten- und quel­len­re­iche Band ist mehr als nur Doku­men­ta­tion, er ist lesenswerte The­atergeschichte, die immer den Blick über den Teller­rand wagt, das Meininger The­ater nicht im luftleeren Raum beschreibt, son­dern im sozial­his­torischen Kon­text. Und das schmälert die Bedeu­tung des Haus­es in sein­er wech­selvollen Geschichte nicht, wertet sie vielmehr auf. Dass die Fotos – ger­ade jene von architek­tonis­chen Ele­menten – mehr als nur Zeug­nisse, son­dern vielfach wirk­lich selb­st Kun­st sind, ist ein weit­eres Plus, eben­so wie der mod­er­ate Preis.
Tat­jana Böhme-Mehner