from schumann to gershwin

Violin music

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Farao Classics B 108031
erschienen in: das Orchester 12/2007 , Seite 86

Janos Maté (Violine), seit 1982 Erster Konzertmeister beim Münchner Rundfunkorchester, und der israelische Pianist Benjamin Rawitz (er starb unter ungeklärten Umständen im August 2006 60-jährig in Brüssel) widmen sich hier einem Repertoire von Violinstücken, das mit dem Trivialitätsvorwurf rechnen muss. Tosellis Serenade op. 6, Raffs Cavatine, Ponces Estrellita, Hubays Hejre Kati op. 32 oder Montis Csardas waren gewiss einmal ausgesprochene „Reißer“, doch kein seriöser Geiger traut sich heute mehr zu, sie auch nur als Zugaben seinem Publikum schmackhaft zu machen; zu abschreckend lastet auf ihnen der Kitsch-Vorwurf.
Tatsächlich lassen sich solche Schmankerln nur mit abnorm viel Geschmack noch spielen. Ein nüchtern-sachliches, distanzierendes Aufführen verfehlte die eigentümliche Sphäre dieser Musik von gewissermaßen simulierter, nicht ganz ernst gemeinter Bedeutung und ließe sie vollends belanglos wirken. Eine gefühlvolle interpretatorische Emphase hingegen, die ihnen gerecht zu werden scheint, würde sie nur unerträglich peinlich wirken lassen.
Glücklicherweise besitzen Janos Maté und Benjamin Rawitz sehr viel Geschmack, sodass man sich ihnen gerne als Reiseführer durch eine fast völlig versunkene musikalische Welt anvertraut, um etwas mehr als eine kurzweilige, vergnügliche Stunde mit ihnen zu verleben. Dabei wirkt ihre Interpretation keinesfalls verschmitzt-nostalgisch. Sie nehmen vielmehr die Musik als Musik auch dann durchaus ernst, wenn sie in Liebesleid aufstöhnt, in Träumerei versinkt, fern-östlich zu meditieren beginnt oder für Schön Rosmarin aufspielt. Ihre Interpretation beeindruckt weniger durch aufdringliche spieltechnische Virtuosität, welche diese Stücke auch kaum herausfordert, als vielmehr durch eine ungemein sichere Musikalität, die ihnen ein untrügliches Gespür für das interpretatorisch Angemessene und Gebotene eingibt.
Giselher Schubert