French Cello Concertos

Werke von Camille Saint-Saens, Frank Martin und Darius Milhaud

Rubrik: CDs
Verlag/Label: aulos AUL 66148
erschienen in: das Orchester 12/2006 , Seite 90

„Pour moi, l’Art, c’est avant tout la Forme“, erk­lärt Camille Saint-Saëns im Jahr 1919, und Form­ex­per­i­mente sind es auch, durch die sich ins­beson­dere seine Solokonz­erte ausze­ich­nen. Eine neue Inter­pre­ta­tion des Konz­erts für Vio­lon­cel­lo und Orch­ester Nr. 1 a‑Moll op. 33 hat jet­zt Niklas Eppinger zusam­men mit den Bochumer Sym­phonikern unter der Leitung von Steven Sloane auf der bei aulos erschiene­nen CD French Cel­lo Con­cer­tos vorgelegt. Und Eppinger – so viel sei gle­ich vor­weg gesagt – überzeugt von der ersten Sekunde an, nicht nur mit Saint-Saëns, son­dern auch mit den bei­den Cel­lokonz­erten von Frank Mar­tin und Dar­ius Mil­haud.
Saint-Saëns’ dre­it­eiliges Konz­ert ist hier­bei das wohl vir­tu­os­es­te der drei Werke. Eppinger meis­tert alle tech­nis­chen Schwierigkeit­en – die hals­brecherischen Läufe im Alle­gro, die abwärts gerichteten Stac­ca­to-Arpeg­gien im Alle­gret­to, die Oktavpas­sagen und schwindel­er­re­gen­den Höhen im drit­ten Teil –, als ob nichts weit­er dabei wäre. Vor allem aber begeis­tert er mit seinem grandiosen und immer reinen Ton. Den einzel­nen Nuan­cen der Musik entsprechend ver­mag er seinem Instru­ment die ver­schieden­sten Klang­far­ben zu ent­lock­en.
Dies zeigt sich auch deut­lich im Vio­lon­cel­lokonz­ert des Schweiz­ers Frank Mar­tin (ent­standen 1965/66), dessen Lento-Ein­leitung vom Cel­lo solis­tisch begonnen und vom Kün­stler mit unver­gle­ich­lich­er Inten­sität vor­ge­tra­gen wird: zuerst nach­drück­lich-elegisch, später, in tief­er­em Reg­is­ter, wun­der­schön sonor. Im zweit­en Satz Adagi­et­to, der beina­he zu unheim­lich ist, um noch feier­lich zu wirken, gibt es richtigge­hend durch­drin­gende Pas­sagen, daneben aber auch Stellen, an denen das Cel­lo fast ver­schüchtert wirkt. Das Vivace schließlich – wild, gehet­zt, treibend gespielt – lässt in der rhyth­mis­chen wie melodis­chen Fak­tur deut­lich die Jazz-Ein­flüsse in Mar­tins Werk erken­nen.
Auch das Cel­lokonz­ert Nr. 1 op. 136 aus dem Jahr 1934 von Dar­ius Mil­haud, Zeitgenosse Mar­tins, bietet mit seinen drei Satz-Charak­teren „Non­cha­lant“, „Grave“ und „Joyeux“ vielfältige Abstu­fungsmöglichkeit­en in der klan­glichen Umset­zung, die Eppinger voll auskostet. Den ersten Satz inter­pretiert er kor­rek­ter­weise „gemäch­lich“ – aber nur, wenn das Orch­ester dabei ist. In den Solo-Stellen hinge­gen wird sein Spiel bewegt bis bru­tal. Auf den „ern­sten“, poly­ton­al gestal­teten zweit­en fol­gt dann noch der „fröh­liche“ dritte Satz mit seinen Kastag­netten-Par­tien, auch dieser von Jazz-Ele­menten bes­timmt, auch dieser leb­haft und vir­tu­os vor­ge­tra­gen.
Die Bochumer Sym­phoniker unter Steven Sloane, schon zweimal vom Deutschen Musikver­leger-Ver­band mit der Ausze­ich­nung „Bestes Konz­ert­pro­gramm“ geehrt, bieten dem Solis­ten zu jed­er Zeit kon­ge­niale Unter­stützung. Keine Unrein­heit, keine unge­wollte Über­lagerung des Vio­lon­cel­los, keine Störung der klan­glichen Aus­ge­wogen­heit trüben den durch­weg pos­i­tiv­en Gesamtein­druck. Ein bemerkenswertes Stück Arbeit.
Julia Hartel