Hoffmeister, Franz Anton

Flötenkonzerte

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Naxos 8.551292
erschienen in: das Orchester 02/2013 , Seite 66

Franz Anton Hoffmeis­ter (1754–1812) gehörte zu den vie­len in sein­er Epoche dur­chaus bekan­nten Kom­pon­is­ten, die im heuti­gen Bewusst­sein gän­zlich im Schat­ten des klas­sis­chen Dreige­stirns Haydn-Mozart-Beethoven ste­hen – um nicht zu sagen: ver­schwun­den sind. Dabei hat Hoffmeis­ter selb­st als Ver­leger (er war u.a. Mit­grün­der des Ver­lags Peters) dazu beige­tra­gen, sie berühmt zu machen, war mit ihnen bekan­nt und befre­un­det.
Von seinen 70 Sin­fonien, über 40 Stre­ichquar­tet­ten, zahlre­ichen Inst­rumentalkonzerten und Kam­mer­musik­w­erken sowie eini­gen Vokalkom­po­si­tio­nen, die sich meist durch einen sehr ele­gan­ten, teils auch galanten Stil und eingängige Melodik ausze­ich­nen, ken­nt man heute vor allem seine Duos für Flöten, die seit Langem zur Stan­dard­lit­er­atur jedes Flötis­ten gehören. So erstaunt es beson­ders, dass die auf dieser CD ersteinge­spiel­ten Flötenkonz­erte Nr. 21 und Nr. 24, bei­de in D‑Dur, so lange Zeit vergessen waren, denn es han­delt sich hier um sehr ansprechende Musik, die stilis­tisch im Rokoko behei­matet ist, vielle­icht am ehesten an Haydn erin­nert, jedoch gefäl­liger, mit weniger Eck­en und Kan­ten verse­hen ist, gut fass­bare The­men aufweist und ins­ge­samt sehr ele­gant, rund und har­monisch wirkt.
Bruno Meier und das ohne Diri­gent mit etwa 35 Musik­ern spie­lende Prager Kam­merorch­ester wer­den dieser Musik dur­chaus gerecht, wenn auch mit kleinen Abstrichen. Sie musizieren auf mod­er­nen Instru­menten, mit denen so manche Fein­heit­en der klas­sis­chen Musikprax­is naturgemäß nicht mehr umset­zbar sind – etwa das Fin­gervi­bra­to der klas­sis­chen Holzflöte, die ja auch auf D stand, nicht auf C wie die mod­erne Böhm-Flöte (Hoffmeis­ter wusste wohl, warum er bei­de Konz­erte – und noch andere mehr! – in D‑Dur set­zte). Doch dafür sind die mod­er­nen Instru­mente lauter, glanzvoller und – was bei dieser großen Orch­esterbe­set­zung ins­beson­dere der Flöte zugute kommt – auch durch­set­zungs­fähiger.
Schade ist, dass die Vio­li­nen in dieser feinen Musik ger­ade in höheren Lagen häu­fig nicht ganz sauber zusam­men­spie­len. Mitreißend wirkt der gute Bass-Impuls des Orch­esters, der jedoch dadurch ein wenig abgeschwächt wird, dass die Musik­er Akzente und rhetorische Fig­uren oft nicht deut­lich genug ausspie­len, wom­it sie viel poten­zielle Wirkung ver­schenken. Dies ist auch ein Abstrich beim Solis­ten: Oft hätte vielle­icht ein Quentchen Crescen­do mehr auf einen har­monis­chen Zielpunkt hin oder eine noch etwas klarere Phrasierung die Sache für den Hör­er noch inter­es­san­ter gemacht; und gele­gentlich wün­schte man sich auch – der Prax­is der Zeit entsprechend – noch eine Verzierung, die nicht in den Noten ste­ht. Doch begeis­tert Meier ander­er­seits durch große tech­nis­che Sou­veränität, klan­gliche Bril­lanz, sein aus­geze­ich­netes Lega­to und seine gute Artiku­la­tion. Das Orch­ester spielt sehr gut zusam­men, fol­gt dem Solis­ten höchst sen­si­bel auch in fein­sten dynamis­chen und agogis­chen Regun­gen; Übergänge und Ritar­dan­di funk­tion­ieren müh­e­los.
Eine dur­chaus hörenswerte Auf­nahme also, um inter­es­santes neu-altes Reper­toire ken­nen zu ler­nen.
Andrea Braun