Feuer Wasser Erde Luft

Eine Musik-Geschichte für große und kleine Kinder

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Confettissimo/Upd@yed Musik 05002
erschienen in: das Orchester 01/2007 , Seite 93

Nein, auch die neue Rechtschrei­bung ges­tat­tet keinen Binde­strich: Es han­delt sich hier also um eine Geschichte mit Musik, keine von der Musik. Sie ist lock­er gewoben und es geht um die vier Ele­mente, deren lebendi­ge Exis­tenz von weit­en, naturfer­nen Kreisen unser­er Kids, die bekan­ntlich alle Kühe für lila hal­ten, nicht mehr erlebt wer­den. Allerd­ings, so ste­ht zu befürcht­en, wer­den diese Kinder auch mit ein­er medi­al ver­mit­tel­ten Naturhaftigkeit, wie sie diese CD trans­portiert, eher nicht in Berührung kom­men. Die Dra­maturgie des Hör-Spiels stammt aus der Welt der Kasper­bude, wenn es die denn noch gibt.
Das Tre­f­fen von Feuer, Wass­er, Erde und Luft auf ein­er Waldlich­tung „weit weg von jedem Dorf und jed­er Stadt“ wurde dem Erzäh­ler so denn auch von einem „schlauen Fuchs“ und einem „stache­li­gen Igel“ ver­rat­en. Der junge Hör­er wird mit vie­len „Du“, mit direk­ter Ansprache qua­si zum beobach­t­en­den Kom­plizen gemacht. Der Gefahr des Anbiederns ent­ge­ht man mit solch kindgerecht­en Mit­teln allerd­ings nicht immer. Dass der kindliche Hör­er bei manchen an ihn gerichteten Fra­gen gar nicht so schnell nein rufen kann, wie er vielle­icht möchte, weil man ihm auf der CD zuvorkommt, liegt in der Natur der Sache.
Da wird man gewahr, dass diese Musik-Geschichte vom Ensem­ble Con­fet­tis­si­mo ursprünglich als ein Stück Musik­the­ater, also für den direk­ten Kon­takt zu den Kindern, konzip­iert war und aus dieser lebendi­gen Direk­theit auch einen Großteil sein­er Wirkung beziehen wird. Die CD wen­det sich an die Kleineren, an Kinder­garten- und Grund­schulkinder. Co-Rezensentin Marie (12 Jahre) tippte sofort richtig („Ich würde sagen, es ist eher ein Hör­spiel für Kleinere, ab vier Jahre“), hat­te aber trotz­dem großes Gefall­en: „Es sind schöne Lieder zwis­chen den Erzäh­lun­gen.“ Was Marie ver­mis­ste, war eine größere Vielfalt des Instru­men­tar­i­ums: „nicht nur Oboe und Sax­o­fon“. Beim Instru­men­tar­i­um muss sich auch der Haup­trezensent drin­gend zu Wort melden. Dass man ger­ade bei Hän­dels Las­cia chio pianga, das zur Illus­tra­tion der Zeit des prachtvollen Kerzen­leuchter­lichts dient, zur Singstimme ein Dig­i­talpi­ano erklin­gen lässt, ist ein ekla­tan­ter Wider­spruch zur an sich doch gegen­wär­ti­gen Idee von „Natur“. Gab es da keinen Knopf für „harp­si­chord“? Wenn schon Unnatur, dann doch wenig­stens musikgeschichtlich annäh­ernd richtig.
Die Musik zwis­chen den Hör­spiel­szenen ist trotz des beschränk­ten Instru­men­tar­i­ums recht vielfältig, reicht von der Alten Musik über Folk­lore bis zu jazz­in­spiri­erten Stück­en. Sie kann Anre­gun­gen geben (Stre­ich­holzschachtel-Per­cus­sion), das afrikanis­che Siya­ham­ba ver­führt zum Selb­stsin­gen. Sie ver­mag zu illus­tri­eren, auch zu malen, wenn etwa die Oboe die Flam­men zün­geln lässt. Sie ist gefäl­lig, einige kindgemäße Eck­en und Kan­ten hätte sie ruhig haben kön­nen, auch um der Rauheit der Natur zu genü­gen. Das manch­mal sich ein­er gewis­sen tümel­nden Naturhaftigkeit bedi­enende Tim­bre beson­ders der Frauen­stim­men genügt dem nicht.
Gün­ter Matysiak