Featuring the Meltons

Melton Tuba Quartett

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Topaz-Music 059
erschienen in: das Orchester 07-08/2017 , Seite 73

Man braucht bes­timmt eine gehörige Por­tion Humor um 30 Jahre gemein­sam Tuba-Quar­tett zu spie­len. Nicht nur untere­inan­der muss man sich gut ver­ste­hen, auch mit den Instru­menten der Kol­le­gen. Tubis­ten neigen näm­lich offen­sichtlich dazu, ihre „Spiel­ge­fährten“ zu ver­men­schlichen. Laut Book­let ist Heiko Trieben­ers heim­liche Lei­den­schaft seine Ophik­lei­de „Ophe­lia“, die von Jörg Wachsmuth die Riesen­tu­ba „Ilse“. Auch Hart­mut Müller und Ulli Haas, die anderen bei­den Mit­glieder des Melton Tuba Quar­tetts, scheinen einen beson­deren Bezug zu ihren Tuben zu haben, der dieser CD anzumerken ist. Eifer­süchteleien scheint es aber nicht zu geben, denn Spiel­er und Instru­mente har­monieren und ergänzen sich her­vor­ra­gend.
In den tiefen Lagen eben­so wie in den Höhen, die einen Hor­nisten – z.B. mich selb­st – beina­he vor Neid erblassen lassen (aber nur beina­he), wer­den klangschöne Töne erzeugt, von denen man gar nicht wusste, dass sie auf der Tuba möglich sind. Der Gesamtk­lang des Ensem­bles ist her­vor­ra­gend, auch in den Ober- und Mit­tel­stim­men, die üblicher­weise im Orch­ester nur sel­ten bedi­ent wer­den. Sehr gesan­glich wer­den die Melo­di­en der Arrange­ments gespielt, von denen alle eigens für das Quar­tett geschrieben und die meis­ten in der ensem­bleeige­nen Edi­tion ver­legt wur­den.
Wie bei den meis­ten Blech­bläserensem­bles wer­den dabei alle Gen­res bedi­ent: Film­musik, Folk, Bal­laden, ein Tan­go und Klas­sik­er wie die West Side Sto­ry oder Bilder ein­er Ausstel­lung. Abwech­slungsre­ich ist diese CD und sehr unter­halt­sam, beson­ders geeignet für lange Aut­o­fahrten. Auch wenn viele dieser Werke von anderen Blech­bläserensem­bles eben­falls zu hören sind, ist es dur­chaus reizvoll, diese in den Arrange­ments für Tuba-Quar­tett zu hören, beson­ders und vor allem, weil sie ein­fach sehr gut gespielt sind.
Das Book­let hat mich schon beim ersten Anse­hen zum Schmun­zeln gebracht. Vor allem die Bilder sind orig­inell. Zen­trum der Bild­serie ist ein im Eichen­fass gereifter Sin­gle Malt Whiskey, mit dem sich die vier Musik­er auf­grund ihrer Altersstruk­tur ver­gle­ichen und dur­chaus ver­gle­ichen dür­fen. Dreißig Jahre sind eine lange Zeit, und nicht viele Ensem­bles dürften so lange durch­hal­ten.
Es bleibt zu wün­schen, dass diese vier Her­ren noch lange gemein­sam mit so großer Freude musizieren, wie man es auf dieser CD spürt. Glück­wun­sch zum run­den Geburt­stag und zu dieser gelun­genen CD.
Ulrich Haider