Charles Gounod

Faust

Piotr Beczala (Tenor), Luca Pisaroni (Bassbariton), Marina Rebeka (Sopran), Stéphane Degout (Bariton), Isaac Galán (Bariton), Serena Malfi (Mezzosopran) u. a., Chorus Teatro Real Madrid, Orchestra Teatro Real Madrid, Ltg. Dan Ettinger

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: CMajor
erschienen in: das Orchester 5/2026 , Seite 79

Beim Label CMajor ist ein im Jahre 2018 am Teatro Real, Madrid entstandener Live-Mitschnitt von Charles Gounods Oper Faust erschienen. Die Anschaffung der Blu-ray ist, um das Fazit einmal vorwegzunehmen, in hohem Maße emp- ­fehlenswert. Sowohl musikalisch, gesanglich als auch szenisch kann man hier von einem wahren Fest sprechen, das regelrecht preisverdächtig ist.
Das beginnt schon bei Dan Ettinger, der das sehr versiert und äußerst konzentriert aufspielende Orchester des Teatro Real zu einer spannungsgeladenen, prägnanten und sehr emotionalen Tongebung animiert. In flüssigen Tempi weist der Dirigent den Musiker:innen den Weg durch Gounods Partitur, die er sehr differenziert und nuancenreich ausdeutet. Eine ebenmäßige Linienführung sowie eine hohe Ausdrucksintensität tun ein Übriges, um sein Dirigat abwechslungsreich und interessant wirken zu lassen.
Hervorragend sind die gesanglichen Leistungen. Mit bestens italienisch fokussiertem, mühelos bis zum hohen c heraufreichendem Tenor singt Piotr Beczala einen ausgezeichneten Faust, den er auch ansprechend spielt. Marina Rebeka vermag die gesamte Bandbreite der Gefühle der Marguerite zu vermitteln. Unschuld wie auch Tragik werden von ihr gleichermaßen trefflich ausgelebt. Gesanglich wird sie ihrer Partie mit sehr gefühlvollem Sopran sowie mit technischer Perfektion des Vortrags mehr als gerecht. Ein schauspielerisch recht charismatischer, dämonischer und saft- und kraftvoll singender Méphistophélès ist Luca Pisaroni. Solides Bariton-Material zeichnet den Valentin von Stéphane Degout aus. Einen voll tönenden Mezzosopran bringt Serena Malfi in die Hosenrolle des Siebel ein. Mit imposant klingendem Bariton wertet Isaac Galán die kleine Rolle des Wagner auf. Gut gefällt die Marthe von Sylvie Brunet-Grupposo. Mächtig legt sich der Chor ins Zeug.
Ebenfalls einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt die Inszenierung von Alex Ollé von der Theatergruppe La Fura dels Baus. Zusammen mit seinem Bühnenbildner Alfons Flores und dem für die Kostüme verantwortlichen Lluc Castells hat er das Geschehen geschickt modernisiert, ohne dabei dessen Kerngehalt anzutasten. Er lässt das Ganze in einem futuristischen Rahmen spielen und wartet dabei mit ansprechender Symbolik und enormer Stärke in der Personenregie auf. Der äußere Rahmen ist das moderne Labor Fausts, in dem dieser die Grenzen von Ethik und Moral überschreitet. Ein Höhepunkt der Inszenierung ist, wenn Méphistophélès in der Dom-Szene als gekreuzigter Christus mit Dornenkrone erscheint. Ebenfalls eindrucksvoll gelingt dem Regisseur das Schlussbild, in dem der Teufel als Alter Ego Fausts auftritt.
Ludwig Steinbach

 

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