Schmidt, Hartmut

Fanfarische Ouvertüre

für 3 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba und Schlagzeug, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Tonger, Köln 2003
erschienen in: das Orchester 03/2004 , Seite 80

Mit Pauken und Trompe­ten gab und gibt man eigentlich eher brave Sig­nale: zu Ehren von Kirche, König und Vater­land. Hart­mut Schmidts Fan­farische Ouvertüre für drei Trompe­ten, drei Posaunen, Tuba und Schlagzeug ist dage­gen ein pack­ender Weck­ruf – voller rhyth­mis­ch­er Verve und schlack­en­los­er Geradlinigkeit.
Der erste Blick in die Trompe­ten-Stim­men, der auf eine schul­mäßige Sechzehn­tel­rei­he fällt, lässt zunächst freilich etü­den­hafte Floskeln befürcht­en. Doch in dieser spielerischen Ein­fach­heit entwick­elt sich eine Zwölfton­rei­he – und das in ein­er Selb­stver­ständlichkeit, die das zuweilen gefürchtete Dog­ma der Dodeka­fonie sofort ad acta legt. Das Wenige der leicht­en Lin­ie verdichtet sich dabei in der eng geführten Über­lagerung der drei Trompe­ten­stim­men zu einem span­nen­den Wech­sel von treiben­dem Unisono, dicht­en Halbton-Klan­grei­bun­gen und weit ges­pan­nten Inter­vallen. Zwölf Töne im kon­tra­punk­tis­chen Spiel. Hart­mut Schmidt, dem 1946 in Bad Mer­gen­theim gebore­nen Bratschis­ten des Mozar­teum Orch­esters Salzburg, gelingt damit die geschick­te Ver­mis­chung von Tra­di­tion und mod­ernem Kompositionsstil.
Beein­druck­end ist dabei vor allem die Beherrschung der altherge­bracht­en For­men­sprache der Ouvertüre mit der Anlehnung an ital­ienis­che Drei­gliedrigkeit von schnell – langsam – schnell (wenn man diesen Ver­gle­ich hier ziehen darf und sollte). Klangsinnliche Steigerun­gen erzielt Schmidt in den sehr klaren Struk­turen mit mod­ernem Schlag­w­erk wie Vibra­fon und Marim­ba­fon. Inter­es­sant auch die ständi­gen Wech­sel der Metronomvor­gaben oder die Ruhe der Tuba-Liegetöne.
Spiel­tech­nisch stellen die Trompe­ten­stim­men die aus­führen­den Musik­er vor keine Prob­leme. Leicht ist es daher, sich in die dis­so­nante Dichte des Zusam­men­klangs hineinzubegeben. Da haben es die Posaunis­ten mit Sechzehn­tel-Quin­tolen und ras­an­ten Zweiund­dreißig­s­tel-Läufen schon weitaus schw­er­er. Doch hier entwick­elt sich die enorme Antrieb­skraft des Stücks.
Mit der Fan­farischen Ouvertüre set­zt Hart­mut Schmidt tat­säch­lich ein Sig­nal – zu Ehren der undog­ma­tis­chen Zwölfton­musik. Und das genau 80 Jahre nach der Begrün­dung dieser Kom­po­si­tions­form. Nur der Titel klingt etwas unglück­lich – gle­ich­sam wie ein „weißer Schim­mel“. Denn was ist die Fan­fare anderes als ein sig­nalar­tiges Eröff­nungsstück – aus der die Form der Ouvertüre schließlich entstand.
Christoph Ludewig