Ewelina Nowicka

Musik für Violine und Klavier

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Kreuzberg Records kr 10107
erschienen in: das Orchester 01/2013 , Seite 74

Eweli­na Now­ic­ka, 1982 in Danzig geboren, studierte Vio­line und Musikpäd­a­gogik an der Ham­burg­er Hochschule für Musik und The­ater und machte später ihr Konz­er­tex­a­m­en an der Hochschule für Kün­ste in Bre­men. Ihre klas­sis­che Geigenkar­riere – Meis­terkurse, Preise bei eini­gen Wet­tbe­wer­ben und zahlre­iche Auftritte mit pol­nis­chen und deutschen Orch­estern – ergänzt und kon­trastiert sie mit ein­er eben­so ziel­stre­bi­gen Aus- und Weit­er­bil­dung als Kom­pon­istin. Michael Volpe nen­nt sie als einen ihrer Lehrer, eben­so Elis­a­beth Siko­ra, Hel­mut Zapf oder Man­fred Stahnke. Förder­preise bei „Jugend kom­poniert“, der „Bre­mer Kom­po­si­tion­spreis“ und wiederum zahlre­iche deutsche und pol­nis­che Stipen­di­en zeu­gen von der Anerken­nung ihrer Arbeit­en.
Ein wichtiger Schritt für die kom­ponierende Instru­men­tal­istin, die neben ihrer solis­tis­chen Tätigkeit an Ham­burg­er Musikschulen Geige­nun­ter­richt gibt, ist auch dieses kom­pos­i­torische Debü­tal­bum. Es vere­int Werke und Bear­beitun­gen für Vio­line und Klavier mit Solostück­en für bei­de Instru­mente. Deut­lich nachvol­lziehbar ste­ht eine kom­pos­i­torische Entwick­lung vor Ohren (zwar ver­schweigt die CD die Entste­hungs­dat­en der Werke, die meis­ten sind aber auf der Web­seite der Kün­st­lerin, www.ewelinanowicka.com, zu find­en), vom frühen Vio­linkonz­ert Obses­sion (1999), das recht vorder­gründig ein geigerisches Tech­nikreper­toire ausstellt und qua­si „durcht­estet“ – von Dop­pel­griff-Lagen­wech­seln und ‑ton­leit­ern über ver­schiedene Akzel­er­a­tio­nen und über­haupt dynamis­che und Schwierigkeits­grad-Steigerun­gen – bis zu den überzeu­gen­deren Solow­erken Con­ven­tus (für Klavier, kom­poniert 2009, her­aus­gegeben 2012) und Straw­in­skana (her­aus­gegeben 2012).
Sowohl die Vio­lin­istin Now­ic­ka als auch die ein­ge­lade­nen Pianis­ten Pola Lazar, Mile­na Antoniewicz, Jen­nifer Hymer, Katha­ri­na Poli­vae­va und Michael Kre­zlews­ki warten mit konzen­tri­erten und hör­bar aus­gereiften Inter­pre­ta­tio­nen auf. Groß ist jedoch die Spanne im kom­pos­i­torischen Anspruch ger­ade in den Begleit­parts. Haben wir es bei Con­ven­tus mit einem strin­gent aus­ge­führten Instru­menten­porträt zu tun, das die ver­schiede­nen Klan­greg­is­ter des Flügels aus­reizt und stim­mungsvoll kon­trastiert, sind in den Klavier­stim­men von Kad­dish 1944 oder dem Con­cer­to Ebraico viele Ideen nicht überzeu­gend aus­gear­beit­et, enthüllen stilis­tis­che Unentsch­ieden­heit und wer­den ins­ge­samt den Poten­zialen des Klaviers nicht so gerecht wie die Vio­lin­stim­men denen der Geige. So bleibt dem Tas­tenin­stru­ment in diesen etwas älteren Werken über weite Streck­en nur die Rolle des beschei­de­nen Junior­part­ners.
Die deut­lichen Entwick­lungss­chritte zwis­chen den hier vorgestell­ten sieben Werken machen neugierig auf das, was kommt. Über den Ver­lag Neue Musik, Berlin, sind die Werke gedruckt erhältlich; nun wäre es an weit­eren inter­essierten Inter­pre­ten, die Kom­po­si­tio­nen anzutesten, öffentlich zu spie­len, mithin auf Ton­trägern festzuhal­ten, um mehr Hör­er für das Gesamtwerk von Eweli­na Now­ic­ka zu inter­essieren.
Mar­tin Morgenstern