Encore!

Jahreswechselkonzert 2006/2007

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Genuin GEN 87081
erschienen in: das Orchester 09/2007 , Seite 86

Mit ein­er bun­ten Rakete lau­nig präsen­tiert­er Musik stellt das Leipziger Label Gen­uin ein Neu­jahrskonz­ert als Feuer­w­erk der beson­deren Art vor: Die Dres­d­ner Phil­har­monie unter ihrem Chefdiri­gen­ten und kün­st­lerischen Leit­er Rafael Früh­beck de Bur­gos bot zum Jahres­be­ginn 2007 ein wahres Europa-Konz­ert. Europa heißt im Bere­ich der Musik Vielfalt der the­ma­tis­chen und stilis­tis­chen Aus­drucksmöglichkeit­en der musikalis­chen Gat­tun­gen Oper, Tanz und Instru­men­tal­musik.
Knapp achtzig Minuten Hör­genuss schenkt dieser prächtige Strauß klas­sis­ch­er Melo­di­en. Darunter befind­en sich zwei Kom­po­si­tio­nen von Vater und Sohn Johann Strauß. Ganz europäisch ist auch die Pro­gram­mzusam­men­stel­lung, die den Zeitraum vom 18. Jahrhun­dert (Wolf­gang Amadeus Mozart) bis zum 21. Jahrhun­dert (Luciano Berio) umfasst. Dazwis­chen sind die melodiefreudi­gen, aber auch zur Melan­cholie neigen­den, die slaw­is­che Seele aus­lo­ten­den Tschechen Antonín Dvor?ák und Jaromir Wein­berg­er ange­siedelt, die – wie der Nord­deutsche Johannes Brahms in Wien – so sehr die Musik des 19. Jahrhun­derts geprägt haben.
Mit Georges Bizet, der durch seine spanis­che Oper Car­men welt­berühmt wurde, tra­gen die drei spanis­chen Kom­pon­is­ten Manuel de Fal­la, Enrique Grana­dos und Gerón­i­mo Giménez zum iberischen Kolorit dieser als gelun­gen zu beze­ich­nen­den Musikzusam­men­stel­lung bei, deren Auswahl einiges über die Vor­lieben des Spaniers Rafael Früh­beck de Bur­gos ver­rät.
Neu­jahrskonz­erte sind groß in Mode: Die Wiener Phil­har­moniker und die Berlin­er Phil­har­moniker haben hier Qual­itäts­maßstäbe geset­zt bezüglich Zusam­men­stel­lung und Niveau. Von der Pop­u­lar­ität solch­er Konz­erte angesteckt, betreiben namhafte Orch­ester erfol­gre­ich die Selb­stver­mark­tung. Das ist kün­st­lerisch legit­im und ökonomisch sin­nvoll. Warum sollte ein in Dres­den erfol­gre­ich­es Konz­ert eines bedeu­ten­den Orch­esters unter der Stabführung eines renom­mierten Mae­stros daher nicht auch per CD ein großes Pub­likum erre­ichen? Als beacht­enswert fällt bei dieser Ein­spielung auf: die Vielfalt der musikalis­chen Inter­pre­ta­tion, das umfassende Reper­toire und die Stil­sicher­heit des Diri­gen­ten Rafael Früh­beck de Bur­gos, eines wahrhaft europäis­chen Kapellmeis­ters – mit aller Wertschätzung, die diesem tra­di­tionellen Titel anhaftet.
Kraft-Eike Wrede