Józef Koffler

En hommage

Fredrika Brillembourg (Mezzo), Daniel Wnukowski (Klavier), Polish String Quartet Berlin, Polish Sinfonia Iuventus Orchestra, Ltg. Christoph Slowinski

Rubrik: CDs
Verlag/Label: EDA Records
erschienen in: das Orchester 03/2018 , Seite 69

Wohl kaum ein Label hat sich seit sein­er Grün­dung so stark für die Wieder­ent­deck­ung und Reha­bil­i­tierung von Werken vergessen­er pol­nis­ch­er Kom­pon­is­ten einge­set­zt wie EDA Records. Die jüng­ste Veröf­fentlichung knüpft an das gewohnt hohe Niveau der bish­eri­gen Pro­duk­tio­nen an: Mit einem umfassenden Book­let und ein­er über zweiein­halb Jahrzehnte reichen­den Werkauswahl wid­met sich die CD dem von den Nation­al­sozial­is­ten ermorde­ten Józef Kof­fler (1896–1944), der auf­grund ein­er syn­thetisieren­den Lesart von Dodeka­fonie und Neok­las­sizis­mus einen ganz eige­nen Stil entwick­elte und damit zu den inter­es­san­testen Gestal­ten der mod­er­nen Musik­szene sein­er Zeit gehörte.
Das vielle­icht überzeu­gend­ste Argu­ment hier­für ist das außeror­dentliche Klavierkonz­ert op. 13 (1932). Nach ener­getis­chem solis­tis­chen Beginn ent­fal­tet sich eine elek­trisierende Musik, deren rhyth­mis­che Finessen der Pianist Daniel Wnukows­ki mit präzisem Vor­trag adelt. Auch im Finale, das mit klar kon­turi­erten Lin­ien­führun­gen aufwartet, überzeugt die Inter­pre­ta­tion durch Ele­ganz und Her­vorkehrung unter­schwelliger Ironie. Herz des Stücks ist jedoch das atmo­sphärische, vom Solis­ten stel­len­weise fast rhap­sodisch frei anges­timmte Not­turno, das von zarten Stre­icher­tex­turen voller Leuchtkraft und flir­ren­den Ton­höhen­wech­sel durch­zo­gen ist.
Auch Kof­flers Sym­phonie Nr. 2 op. 17 (1933) erweist sich als orig­inelle Reper­toireer­weiterung: Jed­er einzelne der vier kurzen Sätze wartet mit ein­er indi­vidu­ellen klang­far­blichen Aus­lo­tung des kleinen Orch­esters auf, wobei der Kom­pon­ist immer wieder zu über­raschen weiß und sich – vor allem im Finale – auch einiger iro­nis­ch­er Spitzen bedi­ent.
Von Kof­flers stilis­tis­ch­er Vielfalt zeugt darüber hin­aus das suit­e­nar­tige sechssätzige Stre­ichquar­tett Nr. 2 op. 27 (Ukrainis­che Skizzen, 1941), dessen kom­pos­i­torische Aneig­nung folk­loris­tis­ch­er Quellen samt ihrer Aus­for­mung zu untere­inan­der stark kon­trastieren­den Stim­mungs­bildern mitunter an entsprechende Werke Bartóks erin­nert.
Die bei­den einge­spiel­ten Lieder­grup­pen wiederum ste­hen stel­lvertre­tend für zwei unter­schiedliche Pole von Kof­flers Schaf­fen: Während die Zwei Lieder op. 1 (1917), früh­este Kom­po­si­tion der CD, von ver­we­hen­den Spuren ver­schwen­derisch­er impres­sion­is­tis­ch­er Har­monik und arabeske­nar­ti­gen Klavier­wen­dun­gen durch­zo­gen sind, hat Kof­fler mit den Qua­tre poèmes op. 22 (1935) eine stark konzen­tri­erte, har­monisch herbe Musik geschaf­fen, die sich durch Verzicht auf über­flüs­sige Ele­mente ausze­ich­net.
Ent­standen ist hier eine auch von inter­pre­ta­torisch­er Seite her run­dum gelun­gene Pro­duk­tion, mit der das Label seine außeror­dentliche Rei­he von Ent­deck­un­gen fort­set­zt. Die gelun­gene Mis­chung lässt Kof­fler als einen Kom­pon­is­ten aufer­ste­hen, dessen Schaf­fen ein­deutig in den Konz­ert­saal gehört. Eigentlich kaum zu glauben, dass bis­lang keines der Stücke auf CD einge­spielt wurde.
Ste­fan Drees