Roland Dippel
DRESDEN: Zauberer-Stück ohne magische Musik
Staatsoperette: Die Uraufführung von „Simsalabim – das magische Leben des Dr. Schreiber“
Das jüngste Stück des „Broadway in Dresden“ funktioniert einen Zacken zu gut. Das von der Staatsoperette Dresden vergebene Auftragswerk Simsalabim – das magische Leben des Dr. Schreiber gehört zu den Musicals mit der äußerst bühnenwirksamen Polarität von Charisma und Entzauberung. Diesmal nicht als Karrierelauf einer Politikaktrice wie Webbers Evita (Perón), sondern über den Bühnen-, Show- und Fernsehzauberer Helmut Schreiber (1903 bis 1963). Der unter dem Künstlernamen Kalanag zur europäischen Berühmtheit gewordene Star und Filmfunktionär stammte aus dem Großraum Stuttgart, verdiente sich die Profi-Sporen seiner Metiers in der Weimarer Republik und machte im Nationalsozialismus eine Elitekarriere – ein Foto aus dem Jahr 1939 zeigt Schreiber mit Adolf Hitler. Auch wegen dieser Belastungen als Profiteur des „Dritten Reiches“ endete nach dem Zweiten Weltkrieg sein Durchbruch im Fernsehzeitalter. Der Zauberer und sphinxhafte Entertainer war eine Legende, die Person Schreiber allerdings zunehmend zweifelhaft.
Lesen Sie weiter in Ausgabe 09/2026.

