Linde, Hans-Peter

Drei Stücke für Tuba in B und Klavier

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Bruno Uetz, Halberstadt 2009
erschienen in: das Orchester 06/2010 , Seite 66

Die B‑Tu­ba-Sonate von Paul Hin­demith ist jedem Tubis­ten bekan­nt. Doch wirk­lich ansprechende Konz­ert­sonat­en für die tiefe Tuba sind rar. Diesen Gedanken hat­te wahrschein­lich auch Dieter Meschke vom Gewand­hau­sor­ch­ester Leipzig, als er das Stück anregte. Das einzig Bedauer­liche ist, dass es zwar bere­its 1966 kom­poniert wurde, aber erst jet­zt in ein­er rev­i­dierten Fas­sung erscheint. Die Drei Stücke sind exzel­lent instru­menten­gerecht für die B‑Tuba kom­poniert. Man sieht den Tubis­ten Meschke in Gedanken während des Entste­hung­sprozess­es förm­lich hin­ter dem Kom­pon­is­ten ste­hen.
Der Musik­er und Kom­pon­ist Hans-Peter Linde war von 1962 bis 2002 als Cel­list Mit­glied des Gewand­hau­sor­ch­esters. Seit seinem Studi­um ist er gle­icher­maßen instru­men­tal­prak­tisch und kom­pos­i­torisch aktiv. Eine Vielzahl sein­er Werke ist Musik für den Instru­men­talun­ter­richt, darüber hin­aus gibt es Kammermusik‑, Vokal- und Orch­ester­w­erke. Neben seinen viel­seit­i­gen Aktiv­itäten ist der Musik­er außer­dem als Gam­bist tätig.
Sein Konz­ert­stück für B‑Tuba und Klavier bietet nicht nur die Chance, die klan­glichen Reize der Basstu­ba vorteil­haft zum Strahlen zu brin­gen, son­dern schafft es auch, Anspruch und Spiel­freude glück­lich zusam­men­zuführen. Die Ober­ton­rei­he ist die natür­liche Quelle für den Ton­vor­rat und von Inter­vall­bil­dun­gen, die man in diesen Stück­en vorfind­et. Neben rein­er Dur-Moll-Har­monik wer­den eben­so modale Ele­mente ein­be­zo­gen. Didak­tis­che Absicht­en bes­tim­men auch die melodis­che Gestal­tung der Stücke. Die „Intra­da“ trainiert die Atem­führung für ein klangvolles Legatospiel. Stac­ca­to und Por­ta­to wer­den in angemessen­er Geschwindigkeit gefordert, die den Möglichkeit­en des Stoßes im mit­tleren Schwierigkeits­grad entspricht. Eine homo­gene Ton­bil­dung in den unter­schiedlichen Klan­greg­is­tern ist Konzep­tion für dieses erste Stück.
Das zweite Stück „Unruhe“ möchte mit seinen knif­fli­gen Tak­twech­seln im Zusam­men­spiel mit dem Klavier die rhyth­mis­che Sicher­heit, aber auch die dynamis­chen Abstu­fun­gen in der Ton­bil­dung fördern. Die abschließende „Burleske“ lässt aus­ge­lassen­em Musikan­ten­tum freien Lauf. Die Ven­til­tech­nik kommt eben­so zur Gel­tung wie die der Tuba eige­nen humor­vollen Klang­ef­fek­te. Die Klänge des Begleitin­stru­ments brin­gen har­monis­che Struk­turen, die aus dem Dreik­lang, wie Mehrk­länge aus Terz­schich­tun­gen, Sep­takko­rde ein­be­zo­gen, oder der Pen­ta­tonik bzw. Quartschich­tung­shar­monik abgeleit­et sind.
Obwohl die Stücke auf der F‑Tuba leichter spiel­bar sind, wer­den hier gezielt die Eigen­schaften der tiefen Tuba her­aus­ge­fordert: wuchtige Beweglichkeit in der „Intra­da“, tänzel­nd-klangvolle Lyrik in „Unruhe“ und ein derb-humoriger Charak­ter in der „Burleske“. Eine Kom­po­si­tion mit Poten­zial zum Klas­sik­er!
Juliane Bal­ly