Strauss, Richard

Don Juan / Don Quixote

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Theater GmbH Altenburg-Gera
erschienen in: das Orchester 01/2006 , Seite 81

In Altenburg und Gera wird man Gabriel Feltz sicher­lich die eine oder andere Träne nach­weinen – das zumin­d­est lassen die auf CD fest­ge­hal­te­nen guten Ergeb­nisse ver­muten, die am Ende sein­er Zeit als Gen­eral­musikdi­rek­tor des Zwei-Stadt-The­aters vor­liegen. Zweite Erken­nt­nis: Die Musik von Richard Strauss scheint dem 1971 gebore­nen Diri­gen­ten, der seit 2004 die Stuttgarter Phil­har­moniker leit­et und sich anschickt, ein Großer in Deutsch­land zu wer­den, beson­ders nahe zu liegen.
2002 hat­ten Feltz und das Phil­har­monis­che Orch­ester des The­aters Altenburg-Gera die mon­u­men­tale Alpensin­fonie in sehr beachtlich­er Qual­ität aufgenom­men, ein Jahr später waren die Tondich­tun­gen Don Juan und Don Quixote an der Rei­he, die nun auf CD vor­liegen: eine stim­mige Kom­bi­na­tion zweier Helden­stücke von recht gegen­sät­zlichem Charak­ter. Dabei darf man sowohl die ungestüme Jugend­frische und ‑kraft des Don Juan (1888) als auch die genialis­chen Capri­cen des Don Quixote (1897) angenehmer find­en als die mon­u­men­tal­en, selb­stver­liebten Schlacht­engemälde, die Strauss etwa im Helden­leben malt.
Beson­ders reizend ist im Don Quixote die Kon­gruenz von pro­gram­ma­tis­chem Hin­ter­grund, for­maler Strenge (Strauss hat hier eine Intro­duk­tion mit The­ma und zehn Vari­a­tio­nen geschrieben) und Ein­fall­sre­ich­tum – nicht zu vergessen die Vir­tu­osität des Solo­cel­los, das Lukas Drey­er sub­til und sou­verän in den Kampf gegen Wind­mühlen führt. Dieses Werk nötigt dem Orch­ester hohe Flex­i­bil­ität ab, über die die Phil­har­moniker aus Altenburg und Gera jedoch leicht ver­fü­gen. Das lässt sich umso sicher­er sagen, als dieser Auf­nahme ein Konz­ert zugrunde liegt und keine Stu­dio­pro­duk­tion.
Erst beim zweit­en Hören fall­en kleine Unsauberkeit­en der Stre­ich­er im Eifer wilder Strauss-Kaskaden auf oder winzige Into­na­tion­sprob­leme der Blech­bläs­er. Was jedoch überzeugt, das ist der trans­par­ente, sil­brige Klang des Orch­esters, die Diszi­plin, die Gabriel Feltz ihm abfordert. Er vere­int Energie, Ruhe und Präzi­sion. Manch­mal nur fehlt etwas die Lock­er­heit und läs­sige Ver­spieltheit promi­nen­ter­er Auf­nah­men.
Doch diese Strauss-Ein­spielung will ohne­hin nicht in den glob­alen Plat­ten­markt ein­greifen, sie ist lediglich über das The­ater Altenburg-Gera zu beziehen und wird dort zu Recht guten Absatz find­en. Min­destens zwei weit­ere Auf­nah­men von Gabriel Feltz sind derzeit ver­füg­bar: eine Prokofi­eff-CD mit der NDR-Radio­phil­har­monie sowie zwei Respighi-Tondich­tun­gen und Suks Scher­zo Fan­tas­tique op. 25, wiederum mit dem Orch­ester Altenburg-Gera. Jet­zt wäre es vielle­icht an der Zeit, weniger aus­ge­tretene Pfade zu gehen.
Johannes Kil­lyen