Giacomo Puccini
Die Welt zum Weinen bringen. Eine Hörbiografie von Jörg Handstein
Udo Wachtveitl (Erzähler), Max Simonischek (Sprecher Giacomo Puccini), Anna Bonitatibus, Javier Camarena, Charles Castronovo, Mirella Freni, Chen Reiss (Gesang), Chor des Bayerischen Rundfunks, Münchner Rundfunkorchester
Diese Hörbiografie von Jörg Handstein räumt mit dem Märchen vom „Verdi des kleinen Mannes“ gründlich auf. Man erfährt vielmehr viele wenig bekannte Details aus Giacomo Puccinis Leben, einfühlsam gelesen von Udo Wachtveitl und Max Simonischek: Der 1858 in Lucca geborene Opernkomponist beginnt mit Kirchenmusik, seine Schwester ist Nonne. Im Jahre 1880 präsentiert er seine Messa a 4 voci als Abschlussarbeit, es folgen weitere Studienjahre am Konservatorium in Mailand. 1884 hat er mit seiner Oper Le Villi einen Überraschungserfolg am Mailänder Teatro dal Verme – eine unheimliche Geistergeschichte aus dem Schwarzwald. Der Affäre mit Elvira Gemignani (Frau eines Luccheser Geschäftsmannes) entspringt sein Sohn Antonio. Nachdem er mit Elvira und ihrer Tochter Fosca in „wilder Ehe“ gelebt hat, wird er sie 1904 heiraten.
Im Jahre 1893 hat der Maestro mit Manon Lescaut am Teatro Regio in Turin einen Sensationserfolg. In Turin folgt auch 1896 der nächste Siegeszug mit La Bohème unter der Leitung des legendären Arturo Toscanini. Der Lebemann Puccini ertrinkt fast an seinen zahllosen Liebesaffären – zum Leidwesen seiner Frau Elvira.
Atemlos zieht das Leben des Künstlers aufgrund der ausgesprochen lebendigen Schilderung am Hörer vorüber. 1907 folgt sogar eine Schiffsreise nach New York zur amerikanischen Erstaufführung der Oper Madame Butterfly. Im Jahre 1908 kommt es zu einer dramatischen Ehekrise: Elvira vermutet fälschlich eine Affäre zwischen ihrem Mann und dem Hausmädchen Doria Manfredi, die sich deswegen das Leben nimmt. Die Uraufführung von La fanciulla del West 1910 an der Metropolitan Opera New York wird zu einer weiteren Sensation. Puccini ist auf dem Höhepunkt seines Ruhms angekommen, seine Frau Elvira macht ihm wegen ihres erzwungenen Fernbleibens bittere Vorwürfe. Gut gelungen ist bei dieser packenden Lebensbeschreibung aber auch die Einbettung der dramatischen politischen Ereignisse jener Zeit – bis zum Jahr 1922, wo Benito Mussolini der Ministerpräsident Italiens wird.
Der Hörer erfährt zudem, dass Puccini sogar eine Aufführung von Schönbergs Pierrot lunaire besuchte und sich lobend äußerte. Am meisten brennt sich allerdings der Schluss des Hörbuchs ins Gedächtnis. Puccinis Sterben an Kehlkopfkrebs wird ebenso schlicht wie bewegend geschildert. Seine Abschiedsworte lauten: „Elvira … arme Frau …“
Bei den Musikausschnitten sticht eine herausragende Mirella Freni als Manon Lescaut, Madame Butterfly und Tosca hervor, vor der manch andere Gesangssolistin verblasst.
Alexander Walther


