Sikorski, Christian

Die Welt der vier Saiten

Eine Betrachtung des Violinspiels, mit DVD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Sikorski, Hamburg 2006
erschienen in: das Orchester 03/2007 , Seite 79

An Vio­lin­schulen und Trak­tat­en über das Geigen­spiel herrscht im Prinzip kein Man­gel. So begeg­nete ich der Lek­türe von Chris­t­ian Siko­rskis Buch zunächst mit ein­er gehöri­gen Por­tion Skep­sis, die sich allerd­ings bere­its nach einem ersten Durch­blät­tern schnell ver­flüchtigte. Zunächst sind es zwei Charak­ter­is­ti­ka, die für den Autor ein­nehmen: eine ein­fache, all­ge­mein ver­ständliche Sprache sowie ein sym­pa­thisch beschei­den­er Verzicht auf erschöpfende Voll­ständigkeit und jegliche Attitüde, „das Rad neu erfun­den zu haben“ (siehe die zahlre­ichen Ref­eren­zen an Galami­an). Er wen­det sich aus­drück­lich an junge begabte Geiger und Stu­di­en­an­fänger, denen er ein Nach­schlagew­erk an die Hand geben möchte.
Was Siko­rs­ki – Pro­fes­sor für Vio­line an der Hochschule für Musik in Stuttgart – im Detail an Analy­sen und Tipps anzu­bi­eten hat, reflek­tiert die Erfahrung ein­er über 20-jähri­gen päd­a­gogis­chen Tätigkeit, hat Hand und Fuß und befind­et sich auf der Höhe der Zeit. Knapp, aber über­sichtlich wer­den grundle­gende Mech­a­nis­men und Spiel­tech­niken (Geigen- und Bogen­hal­tung, die haupt­säch­lichen Bewe­gungsabläufe bei­der Hände) beschrieben und auf der beigegebe­nen DVD vom Meis­ter und eini­gen sein­er Schüler kom­pe­tent demon­stri­ert. Bei aller Beschäf­ti­gung mit Lagen­wech­seln, Stricharten, Pizzi­ca­to rechts und links, Vibra­to usw. ver­liert Siko­rs­ki nie den Bezug zur Musik aus dem Auge, wer­den Analyse und Erk­lärung geigen­tech­nis­ch­er Spez­i­fi­ka nie zum Selb­stzweck.
Wichtig ist ein Kapi­tel, das sich mit zweck­mäßigem Üben – ich nenne es „Übe­hy­giene“ – befasst; wertvolle Vorschläge und Tipps find­en sich zu ein­er Fülle weit­er­er Fra­gen vom natür­lichen Atmen über das Stim­men, das Auswendigspiel bis hin zum Par­ti­tur- und Textstudi­um mit und ohne Instru­ment. Mit inter­essiert­er Neugi­er habe ich einige mir bis­lang nicht bekan­nte Übun­gen des Kol­le­gen zur Ken­nt­nis genom­men, dankbar ist man gle­ich­falls für eine Rei­he neuer Sprach­bilder, den Wort­laut manch­er Beschrei­bung, der ergänzend zum eige­nen Reper­toire Ein­gang in den Unter­richt find­en kann.
Es liegt in der Natur der Sache, dass man in Bezug auf Details seine eigene, eventuell andere Sicht der Dinge haben mag, den ein oder anderen Punkt kön­nte man sich einge­hen­der behan­delt vorstellen (so hätte ich gerne mehr über Bogen­wech­sel am Frosch erfahren und wün­schte mir auch das Martel­lé nicht ganz aus­ges­part). Ins­ge­samt kann man zu dieser gelun­genen Arbeit nur grat­ulieren.
Her­wig Zack