Werke von Viktor Ullmann und Benjamin Yusupov

Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke, 12 ­Stücke aus einer Dichtung Rainer Maria Rilkes für Sprecher und Orchester / Images of the Soul für zwei Klarinetten und Orchester

Loh-Orchester Sondershausen, Ltg. Benjamin Yusupov, Daniel Klajner

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Theater Nordhausen (theater-nordhausen.de)
erschienen in: das Orchester 4/2026 , Seite 78

Das Loh-Orchester Sondershausen in Thüringen dürfte im Westen der Bundesrepublik nur wenig be-kannt sein, gehört aber zu den traditionsreichen deutschen Klangkörpern. 1617 hatte Michael Praetorius das Musikleben am Hofe zu Sondershausen neu organisiert und damit den Grundstein für den wichtigsten Klangkörper im Norden Thüringens gesetzt.
Wer das Ensemble nicht live erleben kann, findet auf den gängigen Plattformen einige Aufnahmen des Loh-Orchesters, die nicht nur von hoher Qualität zeugen, sondern auch von intensiver Beschäftigung mit der eigenen Geschichte. Zuletzt ist eine Einspielung mit Werken für Harmoniemusik erschienen, die das Repertoire am Hof der Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen widerspiegelt. Mit der vorliegenden CD geht das Ensemble unter Leitung seines Generalmusikdirektors Daniel Klajner einen anderen Weg, der nicht weniger bereichernd für das Repertoire ist.
2025 hat das Loh-Orchester das letzte Werk des jüdischen Komponisten Viktor Ullmann (1898–1944) aufgenommen, das Melodram Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke. Ullmanns Komposition ist im Vorzeige-KZ Theresienstadt entstanden, wo die Nationalsozialisten zu Propagandazwecken ein reges Kulturleben inszenierten, an dem zahllose jüdische Künstler:innen zwangsweise beteiligt wurden – ab 1942 auch der Schönberg-Schüler Ullmann, der 1944 ins Vernichtungslager KZ Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Seit Ullmanns Wiederentdeckung in den 1990er-Jahren ist die Vertonung des Rilke-Texts, den zahllose junge Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg im Tornister hatten, mehrfach eingespielt worden. Allerdings in der Fassung für Klavier und Sprecher. Die zwischen Expressionismus, Impressionismus und Neuer Sachlichkeit schwebende, überaus sinnliche Instrumentation von Henning Brauel von 1995 (aus dem Particell heraus) ist indes noch nicht auf Tonträger dokumentiert und liegt hier erstmals vor. Sie ist in ihrer Zerrissenheit ein Abbild der zwiespältigen Handlung, die zwischen Kriegsjubel, Ernüchterung, Verzweiflung und Tod pendelt. Die Sprechrollen von Uta Haase und Thomas Kohl sind akustisch klar gezeichnet und feinfühlig mit dem Orchesterklang abgemischt.
Weiterhin enthält die CD das Orchesterwerk Images of the Soul, ein Konzert mit zwei Klarinetten des israelischen Komponisten Benjamin Yusupov (*1962). Die viersätzige Komposition ist mitreißend, atmosphärisch und sinnlich, enthält ebenso meditative Klanglandschaften wie rhythmisch dominierte, höchst virtuose Abschnitte. Die Images of the Soul sind dem renommierten Klarinettenduo der Zwillingsbrüder Daniel und Alexander Gurfinkel gewidmet, die in dieser Einspielung unter Leitung des Komponisten glänzen. Diese Version ist klanglich der Youtube-Fassung von 2011 mit dem Israeli Symphony Orchestra sicherlich vorzuziehen.
Johannes Killyen

 

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