Dieter David Scholz
DESSAU: Heuchlerische Moral der bürgerlichen Elite
Ein Monumentalwerk aus Brasilien: Santoros „Alma“ am Anhaltischen Theater
Cláudio Franco de Sá Santoro (1919–1989) gilt als einer der wichtigsten Komponisten Brasiliens. Er hat ein umfangreiches Œuvre geschaffen. Aber erst gegen Ende seines Lebens schrieb Santoro die sozialkritische Oper Alma; 1998 wurde sie im Teatro Amazonas in Manaus uraufgeführt. Im Rahmen des Kurt Weill Fests 2026 kam sie nun im Anhaltischen Theater Dessau zur europäischen Erstaufführung. Die Oper erzählt die Geschichte von Alma, einer jungen Frau aus einer kleinbürgerlichen Familie in São Paulo. Sie gibt sich für Mauro, der sie als Zuhälter beherrscht und ausbeutet, demütigt und verprügelt, der Prostitution hin. Am Ende stirbt sie, eine verbrauchte Hure, in Reue und Selbstmitleid badend. Die Botschaft dieses Schinkens lautet: Die Frauen sind alle triebhafte, masochistische Huren und die Männer alle Egoisten, Machos und Gewalttäter.
Lesen Sie weiter in Ausgabe 5/2026.

