Ethel Smyth

Der Wald

Samuel Park (Bariton), Edith Grossman (Mezzosopran), Sangmin Jeon (Tenor), Erik Rousi (Bass), Mariya Taniguchi (Sopran), Zachary Wilson (Bariton), Mira Ilina (Sopran), Hai-Young Lee (Bariton), Chor der Oper Wuppertal, Sinfonieorchester Wuppertal, Ltg. Patrick Hahn

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: cpo
erschienen in: das Orchester 5/2026 , Seite 72

Die Britin Ethel Smyth jonglierte originell mit den Operngenres, die sie während ihrer Studienzeit am Leipziger Konservatorium und in der von Wagner dominierten Kulturlandschaft des deutschen Kaiserreichs kennengelernt hatte. Nach ihrer wiederentdeckten Oper The Wreckers (Strandrecht, Leipzig 1906) und Der Wald (Berlin 1902) interessiert sich hoffentlich bald ein Theater für Smyths unter dem Eindruck von Jacques Offenbachs Vertonung entstandene fantastische Komödie Fantasio (Weimar 1898).
Smyth verfasste die Textbücher ihrer für Aufführungen in Deutschland bestimmten und späteren Werke meist selbst oder mit ihrem Lebensfreund Henry Brewster. Der Wald kam 1903 als erste Oper einer Frau an der New Yorker Met heraus. Smyth feierte also ehrliche Erfolge, die mit hartnäckigen Selbstpositionierungen der später zur Frauenbewegung stoßenden Künstlerin erkauft waren. In Der Wald vereinten Smyth und Brewster Naturverherrlichung, Reflexe auf Reformbewegungen des späten 19. Jahrhunderts und eine schillernde Instrumentation.
Patrick Hahn und das Wuppertaler Sinfonieorchester breiten diesen melodischen Farbreichtum mit variantenreichem Leuchten aus. Zu Beginn und Ende singt der Wald als Chor. Für dessen Puls ist das Fühlen und Streben der Menschen kaum von Bedeutung. Smyths frei erfundene Handlung greift gängige Figuren-Narrative ihrer Zeit auf. Die einstündige Partitur endet allerdings überraschend: Der Holzfäller Heinrich hat für seine Hochzeit mit Röschen ein Reh gewildert. Deshalb droht ihm Landgraf Rudolf mit der Todesstrafe. Der Hauptgrund für diese Strenge ist Eifersucht auf Heinrich, den Rudolfs Geliebte Iolanthe begehrt. Als Iolanthe mit einer im bürgerlichen Musiktheater meist Männern zugeschriebenen Erpressung verspricht, Heinrich nach der Liebesbegegnung mit ihr zu retten, wählt dieser in Treue zu Röschen die Todesstrafe. Dabei drängt ihn Röschen eindringlich zur Erfüllung von Iolanthes Begehren.
Das Ensemble der Oper Wuppertal glänzt in der Einspielung, Regie führte Manuel Schmitt. Der Cast ist auch den dramatischen Aufschwüngen gewachsen. Edith Grossman hat als selbstbestimmte Iolanthe die wirkungsvollsten Momente, wenn Smyth in der entscheidenden Auseinandersetzung mit Heinrich zu wagnernden Farben und Reminiszenzen ausholt. Sangmin Jeons Heinrich hätte bei Puccini und Tschaikowsky ein paar Glanzpunkte mehr. Mariya Taniguchi gibt ein lyrisch selbstbewusstes Röschen. Wenn Smyth mit Besinnung auf deutsche Opern-Waldromantik von Weber bis Humperdinck koloriert, gerät das in eigenwillige Ähnlichkeit zu Rimski-Korsakows panreligiösen Opernvisionen.
Roland Dippel

 

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