Debüt 2009

Deutsche Stiftung Musikleben und NDR-Sinfonieorchester präsentieren Junge Solisten

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Deutsche Stiftung Musikleben DSM 37677150/XVI 1+2
erschienen in: das Orchester 06/2010 , Seite 67

Wie sin­nvoll ist eine weit­ere Ein­spielung des Vio­linkonz­erts von Felix Mendelssohn Bartholdy, wenn Dutzende Auf­nah­men mit den besten Geigern der Welt greif­bar sind? Für den CD-Käufer mag eine weit­ere Auf­nahme über­flüs­sig sein – für den jun­gen Kün­stler mit großen Ambi­tio­nen (und großem Kön­nen) jedoch ist ger­ade die Doku­men­ta­tion sein­er Fähigkeit­en auf ver­trautem Ter­rain wichtig. Nur so ist der Ver­gle­ich mit den Großen seines Fachs möglich und eine nachvol­lziehbare Ein­schätzung des kün­st­lerischen Poten­zials, das er mit­bringt.
So ist denn auch die vor­liegende Auf­nahme, ein Konz­ert­mitschnitt aus der Ham­burg­er Laeiszhalle vom ver­gan­genen Novem­ber, trotz der großen Kom­pon­is­ten­na­men und des gängi­gen Reper­toires ein hörenswertes Doku­ment, das nicht nur einen her­vor­ra­gen­den Konz­ertabend wiedergibt, son­dern dur­chaus stel­len­weise eine eigene Hand­schrift der drei jun­gen, von der Deutschen Stiftung Musik­leben geförderten Musik­er erken­nen lässt.
Suy­oen Kim spielt Mendelssohns Vio­linkonz­ert e‑Moll sehr trans­par­ent, leicht, fließend und den­noch mit größter Präsenz. Da ist jed­er Ton an der richti­gen Stelle, makel­los artikuliert und gut in den Gesamtk­lang inte­gri­ert. Am ein­drucksvoll­sten gelin­gen ihr die bei­den Eck­sätze, die eine schöne, entspan­nt auss­chwin­gende Gesangslin­ie (im Ein­gangs-Alle­gro) und eine leicht­füßige, nie über­akzen­tu­ierende Vir­tu­osität (im Finale) ihr eigen nen­nen. Das NDR-Sin­fonieorch­ester und John Axel­rod begleit­en Suy­oen Kim mit hoher Präzi­sion und Spiel­freude und tra­gen ihren Teil zu einem äußerst stim­mi­gen Gesamt­bild bei.
Den Beginn des Konz­ertabends bestritt Gior­gi Kharadze mit Dmitri Schostakow­itschs erstem Cel­lokonz­ert, das er vor allem im zen­tralen langsamen Satz mit viel Span­nung zu verse­hen weiß. Hier ist eine enorme Inten­sität und Tiefen­schärfe zu spüren, die Gior­gi Kharadze auch in die Caden­za hinüber­trans­portieren kann. Ein wenig kantiger und schrof­fer hätte man sich die bei­den schlank und hochbe­weglich genomme­nen schnellen Sätze gewün­scht, die auch im Orch­ester dur­chaus noch etwas mehr Biss ver­tra­gen hät­ten.
Umrahmt von den Auftrit­ten der bei­den Stre­ich­er präsen­tierte sich Igor Lev­it mit Sergej Prokof­jews Klavierkonz­ert Nr. 1 Des-Dur, das der junge Russe zu einem Klanger­leb­nis und einem Vor­bild an Zusam­men­spiel mit dem Orch­ester macht. Die schillern­den Far­ben in Prokof­jews Par­ti­tur sind bei ihm eben­so gut aufge­hoben wie die ständig wech­sel­nden Aus­druck­sebe­nen. Beson­ders gut ist das im Andante zu hören. Und auch in Sachen Vir­tu­osität zeigt sich Igor Lev­it abso­lut auf der Höhe der Anforderun­gen. Klan­gliche Feinar­beit kom­biniert mit ein­er aus­geze­ich­neten, nie auf vorder­gründi­ge Wirkung bedacht­en Tech­nik machen dann auch seine Zugabe – Liszts Bear­beitung von Isol­des Liebestod – unter den drei doku­men­tierten beson­ders hörenswert.
Daniel Knödler