Gruber, Gernot / Joachim Brügge (Hg.)

Das Mozart-Lexikon

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Laaber, Laaber 2005
erschienen in: das Orchester 04/2006 , Seite 84

Lan­dauf, landab schlägt das Mozart-Jubiläum­s­jahr 2006 seine Ver­anstal­tungswellen, und auch auf dem Buch­sek­tor schwappt dem Musik­fre­und eine ganze Flut von Wieder- oder Erstveröf­fentlichun­gen ent­ge­gen. Zu den beson­ders ambi­tion­ierten Vorhaben unter den Neuer­schei­n­un­gen gehört das im Laaber-Ver­lag erscheinende mehrteilige Mozart-Hand­buch, das seinen Schw­er­punkt auf geplante vier Werk­bände set­zt, während der fün­fte Welt und Nach­welt erfassen soll und der sech­ste als Mozart-Lexikon fir­miert.
Mit eben diesem abrun­den­den Schluss­band eröffnete der Ver­lag die Pub­lika­tions­folge der Rei­he. Bere­its seit ver­gan­genem Okto­ber liegt das von Ger­not Gru­ber und Joachim Brügge her­aus­gegebene Mozart-Lexikon vor, in dem über hun­dert Autoren nahezu erschöpfend Bescheid geben über Leben, Werk und Nach­wirkung Wolf­gang Amadeus Mozarts.
Sinn eines Lexikons ist der schnelle Zugriff auf Grund­in­for­ma­tio­nen unter dem Aspekt nahe liegen­der Suchan­fra­gen. Dem wird das Mozart-Lexikon gerecht, indem es zahlre­iche Per­son­alar­tikel bietet, wobei Sän­gerin­nen und Sänger der Mozart-Zeit, kom­ponierende Zeitgenossen, Ver­wandte, Bekan­nte und adlige Gön­ner doku­men­tiert sind, dazu schaf­fende Kün­stler und Inter­pre­ten aus später­er Zeit, die einen beson­deren Bezug zu Mozarts Werk entwick­el­ten. Gle­ich­falls erscheinen plau­si­bler­weise als Stich­worte jene Städte, in denen Mozart seine Tätigkeit ent­fal­tete oder die er auf Reisen berührte. Um dem Lexikon über seine Einge­bun­den­heit in die Hand­buch-Rei­he hin­aus Eigen­ständigkeit zu geben, wur­den zahlre­iche Abhand­lun­gen zu wichti­gen Einzel­w­erken und Werk­grup­pen inte­gri­ert; was speziell das Musik­the­ater bet­rifft, erhält der Leser sog­ar einen kleinen Mozart-Opern­führer inklu­sive.
Der Benutzer find­et Auskün­fte oft in umfan­gre­icheren Sam­meltex­ten gebün­delt, zu denen er durch Querver­weise geführt wird. Wer etwa den Namen „Cannabich“ sucht, wird auf „Mannheim“ ver­wiesen, wer sich über die Rolle von Joseph II. kundig machen will, wird schließlich bei „Hab­s­burg-Lothrin­gen“ fündig. Per­fekt ist das Sys­tem freilich nicht. Wer nach „zweifel­haften“ oder „unter­schobe­nen“ Werken Mozarts fragt, greift ins Leere. Ob jedem klar ist, dass er unter „Opera incer­ta“ hätte nach­schauen müssen?
Umgekehrt wird der Leser beim Blät­tern manchem Ein­trag begeg­nen, den er nicht gesucht hätte. Er wird über „Deutsche Über­set­zun­gen zu Mozarts Opern“ oder den von Psy­cholo­gen disku­tierten kog­ni­tiv­en „Mozart-Effekt“ informiert, erfährt Wis­senswertes über die „Rezep­tion“ und die „Medi­ale Präsenz“ Mozarts auf der ganzen Welt, über seine „Spiellei­den­schaft“ und seinen „Sprachge­brauch“. Artikel über „Glashar­moni­ka“ und „Flötenuhr“ leucht­en auch Rand­bezirke von Mozarts Œuvre aus. Und selb­st wer nach der „Mozartkugel“ recher­chiert, wird bedi­ent: weit­ergeleit­et in diesem Fall zum Stich­wort „Ver­mark­tung“. Dass der vor­liegende Band nicht nur als Nach­schlagew­erk dienen kann, son­dern pas­sagen­weise auch als Lese­buch, ist nicht sein schlecht­ester Aspekt.
Ger­hard Dietel