Engelbert Humperdinck

Das Mirakel. Pantomime in 2 Akten und 1 Zwischenspiel für Chöre & Orchester

Sophie Klußmann (Sopran), Josette Micheler (Mezzosopran), Rundfunkchor Berlin, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Ltg. Steffen Tas

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Capriccio
erschienen in: das Orchester 4/2026 , Seite 74

Immer wieder kommt es vor, dass diverse Labels ihre Hörerschaft mit der Veröffentlichung nahezu unbekannter Werke bedeutender Komponist:innen auf Tonträger beglücken. Wie es auch jetzt die Firma Capriccio wieder einmal getan hat. Dort erschien jüngst zum ersten Mal Engelbert Humperdincks Das Mirakel auf CD. Bei diesem Werk des in erster Linie durch Hänsel und Gretel berühmt gewordenen Komponisten handelt es sich um eine Pantomime, um ein musikalisches Mysterienspiel von großem Reiz, für das Karl Gustav Vollmoeller das Libretto schuf. Uraufgeführt wurde Das Mirakel 1911 in London. In der Folge wurde sich kein Geringerer als Max Reinhardt des enormen Werts dieser Komposition bewusst, aus der er bereits 1912 einen Film machte und die später etliche Male auf die Bühne brachte. Unter anderem auch 1925 bei den Salzburger Festspielen.
Nun einige Worte zum Inhalt: Megildis, eine Nonne, wird getrieben von dem Bedürfnis, ihre weltliche Neugier auszuleben, sie lässt sich von einem stattlichen Ritter aus dem Kloster entführen. Inzwischen nimmt im Kloster die in ein menschliches Leben eingetretene Muttergottes unerkannt ihren Platz ein. Draußen in der Welt wird die einstige Nonne zum Spielball männlicher Gelüste. Für den Tod ihrer zahlreichen Liebhaber kann Megildis so wenig wie später Lulu. Schließlich kehrt die missbrauchte junge Mutter als Nonne reumütig in ihr Kloster zurück. Die Muttergottes verzeiht ihr und nimmt sich auch des Kindes an. Wieder zu Marmor erstarrt, symbolisiert sie einmal mehr für die sündigen Menschen die Vergebung ihrer weltlichen Fehltritte (vgl. Booklet, S. 8).
Für dieses Stück, das einige Bezüge zur biblischen Geschichte des verlorenen Sohnes aufweist, hat Humperdinck eine gefällige Musik geschrieben, die hier von dem Dirigenten Steffen Tast und dem versiert aufspielenden Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin einfühlsam und intensiv zu Gehör gebracht wird. Sie ist nicht so opulent und gewaltig wie Hänsel und Gretel, kann allerdings ihren spätromantischen Charakter an keiner Stelle verleugnen. Es gibt fast keine solistischen Stellen, nur dem Chor kommt einiges Gewicht zu. Dieser hat öfter a cappella zu singen, was dem Rundfunkchor Berlin ausgesprochen gut gelingt. Einige bekannte deutsche Weihnachtslieder werden zitiert. Die Geschichte von der verlorenen Nonne vermag Humperdinck allein mit seinen beeindruckenden Klängen glaubhaft zu erzählen.
Es ist dem Label Capriccio sehr zu danken, dass es dieses Werk zugänglich gemacht hat. Leider schneiden die beiden Sängerinnen Sophie Klußmann und Josette Micheler, beides laut Booklet Mitglieder des Rundfunkchors Berlin, nur mittelmäßig ab. Alles in allem haben wir es hier aber mit einer durchaus empfehlenswerten Aufnahme zu tun.
Ludwig Steinbach

Page Reader Press Enter to Read Page Content Out Loud Press Enter to Pause or Restart Reading Page Content Out Loud Press Enter to Stop Reading Page Content Out Loud Screen Reader Support