Wolf, Hugo / Hans Pfitzner

Das Fest auf Solhaug — Schauspielmusik / Das Fest auf Solhaug — Vorspiele

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Capriccio 71 101
erschienen in: das Orchester 05/2007 , Seite 82

Hugo Wolfs Ver­suche, für die Bühne zu kom­ponieren, waren bekan­nter­maßen von wenig Erfolg gekrönt. Seine einzige vol­len­dete Oper Der Cor­regi­dor, in Mannheim erfol­g­los uraufge­führt, fand nie einen Weg in die Spielpläne der Opern­häuser, gele­gentliche Auf­führun­gen unter­stre­ichen trotz der Qual­ität der Kom­po­si­tion eher die Prob­leme, die Büh­nen mit der Oper haben, als dass eine Renais­sance des Cor­regi­dors zu erwarten wäre.
Ein Musik­dra­matik­er ist aus dem großen Lied­kom­pon­is­ten und glühen­den Wag­n­er-Verehrer trotz aller Anstren­gun­gen nie gewor­den. Man kann die Schaus­piel­musik zu Hen­rik Ibsens Das Fest auf Sol­haug, die einzige Auf­tragskom­po­si­tion, die Hugo Wolf jemals ange­tra­gen bekam, dur­chaus als einen Teil des kom­plizierten und let­ztlich erfol­glosen Wegs des Kom­pon­is­ten zur Bühne sehen. Ibsens Das Fest auf Sol­haug, 1856 ent­standen, gehört zu den frühen, heute so gut wie nie zu erleben­den Stück­en des nordis­chen Dra­matik­ers.
Im Gegen­satz zu den gesellschaft­skri­tis­chen späten Dra­men Ibsens, die seinen Wel­truhm begrün­de­ten, ist Das Fest auf Sol­haug der Nation­al­ro­man­tik zuzurech­nen. Wolfs anfänglich­er Enthu­si­as­mus anlässlich des Auf­trags für das Wiener Burgth­e­ater im Jahr 1890 – gegenüber Oskar Gro­he bemerk­te er in einem Brief sog­ar, „ich habe gar nicht übel Lust, eine Oper daraus zu machen“ – erlahmte indes rasch. Das roman­tis­che Eifer­suchts­dra­ma, das eng der Feen- und Berggeis­ter­welt Nor­we­gens ver­haftet ist, war sich­er kein Sujet, das Wolf län­gere Zeit zu fes­seln ver­mochte.
Dass die verzögerte Urauf­führung am Wiener Burgth­e­ater am 21. Novem­ber 1891 kein Erfolg wurde, lag sich­er auch an Wolfs Konzep­tion, der wed­er auf die musikalis­chen Möglichkeit­en des Haus­es noch der teil­weise sin­gen­den Schaus­piel­er entsprechende Rück­sicht nahm. Auch eine spätere konz­er­tante Auf­führung 1892 unter der Leitung von Josef Schalk wurde kein nach­haltiger Erfolg.
Eine sehr werk­di­en­liche Ein­spielung der kom­plet­ten Büh­nen­musik neb­st ein­er Fas­sung des Ibsen’schen Schaus­piels von Christoph Schwandt aus dem Jahr 2005, die aber auf der für heutige Ohren etwas bemüht archaisieren­den Über­set­zung von Emma Klin­gen­feld von 1888 basiert, ist jet­zt bei Capric­cio erschienen. Gün­ter Lam­precht ist ein gewohnt überzeu­gen­der Erzäh­ler der Zwis­chen­texte. Unter der kom­pe­ten­ten Leitung von Hel­muth Froschauer musiziert das WDR Rund­funko­rch­ester mit Klang­wucht und Sinn für Details, auch wenn Froschauer sich­er nicht der tem­pera­mentvoll­ste Sach­wal­ter Wolfs ist. Bei der far­ben­re­ich-aufwändi­gen Instru­men­tierung der Büh­nen­musik wird im Nach­hinein deut­lich, dass der Urauf­führung mit den begren­zten musikalis­chen Mit­teln des Burgth­e­aters kein Erfolg beschieden sein kon­nte. Eben­so wie das WDR Rund­funko­rch­ester Köln zeigt sich auch der von Jörg Rit­ter ein­studierte WDR Rund­funk­chor Köln bei den Chorsätzen Wolfs als nach­drück­lich­er Sach­wal­ter des Kom­pon­is­ten. Mechthild Georg singt die anspruchsvolle Bal­lade Mar­gits, „Bergkönig ritt durch die Lande weit“, mit Kraft und Überzeu­gungsver­mö­gen und drama­tis­ch­er Spannkraft, eben­so kann der Bari­ton Yoo-Chang Nah überzeu­gen, auch wenn die an ihn gestell­ten Anforderun­gen nicht ganz so hoch sind.
Eine inter­es­sante Abrun­dung erfährt die Capric­cio-CD durch eine dre­it­eilige Suite des jun­gen Hans Pfitzn­er, der diese in den Jahren 1889/90 eben­falls als Büh­nen­musik für Ibsens Das Fest auf Sol­haug schrieb. Froschauer und sein Köl­ner Orch­ester set­zen sich mit delikat­en Orch­ester­far­ben für die pro­gram­ma­tisch bes­timmte Musik Pfitzn­ers ein. Mehr als eine nur sin­nvolle Reper­toireer­weiterung.
Wal­ter Schneckenburger