Andreas Hauff

DARMSTADT: Wirkungsvolles Psychodrama in ­aussagekräftiger Kombination

Die Wiederentdeckung von Felix Weingartners Oper „Kain und Abel“ am Staatstheater Darmstadt

Rubrik: Bericht
erschienen in: das Orchester 6/2026 , Seite 58

Einer der wenigen positiven Aspekte der Corona-Pandemie war wohl, dass sie die übliche Spielroutine unterbrach und zu Neu- und Wiederentdeckungen im Repertoire animierte. In Darmstadt begab sich GMD Daniel Cohen auf der Suche nach vergrabenen und vergessenen musikalischen Schätzen ins Stadtarchiv und stieß dabei auf einen seiner Vorgänger, den Dirigenten Felix Weingartner (1860–1942), dessen kompositorisches Werk fast vergessen ist. Zu seinem Amtsantritt als GMD 1914 in Darmstadt brachte Weingartner seine neueste Oper mit, den Einakter Kain und Abel (op. 54). Die Uraufführung war ein großer Erfolg; das Werk wurde in Wien, Prag und anderswo im deutschen Sprachraum übernommen. Eine internationale Verbreitung verhinderte der 1914 beginnende Weltkrieg. „Nach dem Krieg änderte sich der Operngeschmack“, bemerkt Daniel Cohen treffend, „Mythos ohne Ironie wurde verdächtig. Ernsthafte metaphysische Dramatik wich Fragmentierung, Distanz und stilistischer Brechung“. Nachzulesen ist das im Programmheft des Staatstheaters Darmstadt zur Wiederaufführung nach 112 Jahren.

Lesen Sie weiter in Ausgabe 6/2026.

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