Schumann, Robert / Richard Strauss / Robert Volkmann / Max Bruch

Daniel Müller-Schott

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Orfeo C781091 A
erschienen in: das Orchester 06/2010 , Seite 71

Der deutsche Cel­list Daniel Müller-Schott gehört längst zum kleinen Kreis der inter­na­tionalen Cel­lis­ten-Welt­spitze. Dabei ist die Kar­riere des Musik­ers, der schon 1992 den Inter­na­tionalen Tschaikowsky-Wet­tbe­werb Moskau für junge Musik­er gewann, nicht durch die Mar­ketingabteilung eines inter­na­tionalen Schallplat­ten­mul­tis mit entsprechen­der pub­lizis­tis­ch­er Unter­stützung gefördert wor­den. Müller-Schott hat es in weni­gen Jahren geschafft, sich dank sein­er großen musikalis­chen Kom­pe­tenz – sich­er auch wegen sein­er ein­nehmenden per­sön­lichen Ausstrahlung – zu etablieren.
Nach den überzeu­gen­den Ein­spielung der Cel­lokonz­erte von Elgar und Wal­ton (Orfeo C621061) sowie von Schostakow­itsch (Orfeo C659081) stellt er nun das a‑Moll-Konz­ert von Robert Schu­mann dem Konz­ert von Robert Volk­mann in der­sel­ben Tonart sowie der F‑Dur-Romanze von Richard Strauss und Bruchs Kol Nidrei gegenüber. Während sich das schu­mannsche a‑Moll-Konz­ert nach anfänglich­er Ablehnung durch die Zeitgenossen inzwis­chen längst im Kern­reper­toire der Cel­lis­ten etabliert hat, hat es fast bis heute gedauert, bis das Konz­ert Volk­manns wieder (im 19. Jahrhun­dert war es beliebter als das von Schu­mann) auf größeres Inter­esse stieß.
Inter­es­san­ter­weise haben sich nun fast zeit­gle­ich zu Müller-Schott auch Alban Ger­hardt (Hype­r­i­on CDA67583), der Schumann/Volkmann die Cel­lokonzerte von Friedrich Gern­sheim und Albert Diet­rich gegenüber­stellt, sowie Peter Bruns (Hänssler Clas­sic 98594), der neben den bei­den a‑Moll-Konz­erten noch weit­ere Stücke von Schu­mann und Volk­mann inter­pretiert, für diese ansprechende Kom­bi­na­tion auf CD entsch­ieden. Wobei Bruns (zusam­men mit dem zuver­läs­si­gen Mendelssohn Kam­merorch­ester Leipzig), der eine Inter­pre­ta­tion vor­legt mit leicht näsel­n­dem Ton und vor­wärt­streiben­dem, im Far­ben­spek­trum etwas eingeschränk­tem Spiel, neben Müller-Schott eben­so abfällt wie der dif­feren­ziert­er musizierende Ger­hardt, der mit dem Rund­funk-Sin­fonieorch­ester Berlin unter Han­nu Lin­tu ins­ge­samt mehr überzeu­gen kann.
Müller-Schott, der im lesenswerten Book­let erläutert, dass er durch das Schu­mann-Konz­ert als Junge über­haupt erst angeregt wurde, Cel­list zu wer­den, musiziert das a‑Moll-Konz­ert mit ein­er Fülle von Klang­far­ben, ein­er kaum zu über­bi­etenden lyrischen Inten­sität und Durch­dringung des musikalis­chen Mate­ri­als. Er ent­lockt seinem Gof­friller-Cel­lo einen dynamis­chen wie im Aus­druck sehr dif­feren­zierten, aber den­noch vollen Klang. Die Selb­stver­ständlichkeit seines Spiels, das manuelle Begren­zun­gen kaum zu ken­nen scheint, wird auf hohem (auch von der Auf­nah­me­tech­nik bestens unter­stützten) Niveau von Christoph Eschen­bach und dem NDR Sin­fonieorch­ester Ham­burg begleit­et. Eschen­bach ist dabei mit dem flex­i­blen Orch­ester dem Cel­lis­ten ein höchst aufmerk­sam-gle­ichges­timmter Part­ner.
Bei Volk­mann musiziert Müller-Schott die von Daniel Christlein rekon­stru­ierte, rund drei Minuten län­gere Orig­i­nal­fas­sung des a‑Moll-Konz­erts. Wie auch bei Strauss – hier set­zt sich das NDR-Orch­ester far­ben­re­ich in Szene – und Bloch kann der Cel­list sein Ver­mö­gen auskosten, weit auss­chwin­gende Melodiebö­gen zu for­men.
Wal­ter Sch­neck­en­burg­er