Seiber, Mátyás

Dance Suite

7 Moderne Tänze für Orchester, Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2009
erschienen in: das Orchester 10/2010 , Seite 71

Sieben Klavier­stücke von Mátyás Seiber hat Wolf­gang Lichter nun für große Beset­zung bear­beit­et: zwei Flöten, Klar­inette (oder Oboe), Alt­sax­o­fon, Fagott, Trompete, Vio­line I und II, Vio­la, Vio­lon­cel­lo und Kon­tra­bass. Durch das solis­tis­che Alt­sax­o­fon kommt von Beginn an ein swingiger Sound ins anson­sten klas­sis­che Ensem­ble. Ein „Cake Walk“ im eher mäßi­gen Tem­po eröffnet mit ein­er für diesen Tanz typ­is­chen Fig­ur in der Klar­inette, begleit­et von Pizzi­ca­to-Ein­wür­fen in den Stre­ich­ern. Schon bald sind alle Instru­mente mit dieser synkopisch geprägten The­matik dabei.
Der anschließende „Nov­el­ty-Fox­trott“ swingt bis zum let­zten Ton. Dies­mal begin­nt die Flöte über dem Pizzi­ca­to und akzen­tu­ierten Vierteln im Fagott. Das The­ma wan­dert nun durch die Blasin­stru­mente, lan­det in den ersten Vio­li­nen und erklingt später gemein­sam in Bläsern und Stre­ich­ern. Nach ein paar aufwärts­gerichteten Tri­olen in den Vio­li­nen endet der Fox­trott mit zwei Pizzi­ca­to-Vierteln – ein wenig plöt­zlich, doch es fol­gen immer­hin fünf weit­ere kurzweilige Sätze.
Ein „Gip­sy-Tan­go“ lässt das pseudoro­man­tis­che Ungarn alter Filme (Seiber war gebür­tiger Ungar und studierte bei Zoltán Kodá­ly) aufer­ste­hen. Die Trompete schle­icht sich, wieder über gezupften Ein­wür­fen der Stre­ich­er, in den Tan­go, ehe das Alt­sax­o­fon und später die Flöte sich ele­gant nach vorn schieben. Ein flot­ter „Waltz“ lässt die Eins vor­erst allein in Cel­lo und Bass. Flöte und Alt­sax­o­fon drehen sich darüber im Kreis. Ein zweites kurzes Motiv mit auf­fal­l­en­den Ton­rep­e­ti­tio­nen schließt sich an, ein drittes Motiv sucht den melodis­chen Auf­schwung.
Dann fol­gt ein „Walz­er“, nicht ras­ant, aber bewegt. Wieder geben die tiefen Stre­ich­er die erste Tak­tzeit, doch tanzen Flöte und Fagott nun unisono darüber. Klar­inette und Alt­sax­o­fon lösen ab, dann fol­gen alle Bläs­er über stoisch Vier­tel hal­tenden Stre­ich­ern. Ein „Blues“ bietet dem Alt­sax­o­fon und später Flöte und Trompete Gele­gen­heit zu ein­er Prise Jaz­zclu­bat­mo­sphäre, die Stre­ich­er dür­fen später übernehmen. Am Ende dann ein „Charleston“. Klar, das ist Ter­ri­to­ri­um des Sax­o­fons, die anderen Bläs­er müssen vor­erst warten. Da Wolf­gang Lichter über­legt und nicht allzu ver­schwen­derisch instru­men­tiert, bleibt es immer durch­hör­bar.
Eine hüb­sche, wohlge­set­zte Suite ohne Pati­na, die für fröh­liche Minuten sorgt, gut gelaunt und dem Geist der ersten Hälfte des ver­gan­genen Jahrhun­derts verpflichtet. Spiel­tech­nisch wird hier allerd­ings nie­mand an die Gren­zen des Instru­ments geführt und so ist sie auch für Jugend- oder Ama­teu­rorch­ester geeignet. Einzelne Sätze sind sich­er als bunte Zugabe das Sah­ne­häubchen in manchem Konz­ert­pro­gramm.
Heike Eick­hoff