Joachim Raff

Dame Kobold (Komische Oper)

Lara Rieken, Julia Surushkina (Sopran), Matthias Lika (Bariton), Gustav Wenzel Most (Tenor), Lukas Krimmel (Bass), Choir of the Theatre of the City of Ústí nad Labem, West Bohemian Symphony Orchestra, Ltg. Jan Snítil, Dario Salvi

Rubrik: Rezensionen
Verlag/Label: Naxos
erschienen in: das Orchester 11/2026 , Seite 74

Der Komponist Joachim Raff hat einen ambitionierten Anhänger­kreis. Die Weltersteinspielung seiner Komischen Oper Dame Kobold op. 154 entstand mit dem Notenmaterial der Edition Nordstern, bei der Vol­ker Tosta alle Bühnenwerke Raffs in­klusive der letzten Wiederentdeckungen Die Eifersüchtigen und der vom Na­tionaltheater Weimar in der Regie von Calixto Bieito mit großem Erfolg he­rausgebrachten Bibeloper Samson verfügbar machte. Während der Pandemie kam Dame Kobold am Theater Regensburg in der Inszenierung von Brigitte Fassbaender heraus. Dort entfaltete die Oper aufgrund der reduzierten Or­chesterbesetzung bei Weitem nicht die mögliche Wirkung. Dass Raff, der erfolgreiche Symphoniker und Komponist von Kammerwerken, in differen­zierender Reibung an Richard Wagner ein geistreicher und origineller In­strumentator war, hörte man damals nur in Ansätzen. Dabei ist Dame Kobold näher an Verdis Falstaff als an den Spielopern Lortzings.

Raffs Meriten zeigt der sich mit großer Leidenschaft auf Entdeckungen werfende Dirigent Dario Salvi hier mit dem Westböhmischen Symphonie­orchester Marienbad und dem Chor des Theaters Aussig. Das Orchester gleißt, kokettiert, jubelt und leuchtet mit einer geschmeidigen Kraft, so dass es dem mit Bedacht zusammengestellten und rundum angemessenen En­semble die Schau stiehlt. Salvi hat breite Kenntnisse in der französischen Opéra comique um Auber, welche ihm für die 1870 im Hoftheater Weimar uraufgeführte Oper viel besser zugute kommen als das Aufspüren von Mi­nimalspuren zu Richard Wagner, dessen Opern bis Lohengrin Raff in der Schrift „Die Wagnerfrage“ mit kritischem Respekt erörtert hatte.

Dame Kobold gehört eindeutig in eine erlesene, heute fast ganz von den Spielplänen verschwundene Werkgruppe: Raffs Partitur wartet mit beglü­ckenden und originellen Instrumentationseffekten auf. Anstelle geschlossener Musiknummern gibt es erweiterte, offene Szenenformen. Raff wird damit zu einem unmittelbaren Vorgänger deutscher Opernkomödien der Jahrhun­dertwende von Hans Sommer, Humperdinck und den Innovationen von Ri­chard Strauss in Der Rosenkavalier und Intermezzo.

Die Besetzung des kurzweiligen Werks, in dem sich zwei Frauen mit Witz und Ernst gegen Übergriffigkeiten und Bevormundungen zu erwehren wis­sen, ist rundum homogen und passend. Lara Rieken, Matthias Lika, Julia Surushkina, Gustav Wenzel Most und Lukas Krimmel setzen eine vorbildliche und empathische Ensembleleistung. Jetzt fehlt nur noch ein Theater, das Raffs lyrisch-komische Oper und Italianità mit Engagement in originaler Orchestergröße zur szenischen Aufführung bringt. Roland Dippel

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