Werke von Moritz Landgraf von Hessen, Luca Marenzio, Orlando di Lasso und anderen

Da Pacem — Echo der Reformation

RIAS Kammerchor, Capella de la Torre, Ltg. Florian Helgath

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Deutsche Harmonia Mundi 88985405412
erschienen in: das Orchester 07-08/2017 , Seite 66

Es beruhigt sehr, dass im Jubiläum­s­jahr der Ref­or­ma­tion gerne auch an den Ein­fluss Mar­tin Luthers auf die Musik erin­nert wird. Für Luther, stu­pen­der Musikken­ner, poet­is­ch­er Textdichter und Kom­pon­ist noch heute bekan­nter Melo­di­en, war die Musik „ein Geschenk Gottes und nicht der Men­schen“. Auf das Echo der Reformbe­stre­bun­gen dieser his­torischen Gestalt also nimmt die CD Da Pacem Bezug, will allerd­ings gle­ichzeit­ig klarstellen, „dass sich in den einge­spiel­ten geistlichen Kom­po­si­tio­nen katholis­ch­er und protes­tantis­ch­er Autoren keine ekla­tan­ten Dif­feren­zen find­en lassen“.
So wun­dert nicht, dass die CD auch Ein­spielun­gen ital­ienis­ch­er und deutsch­er Kom­pon­is­ten enthält, die alle­samt der Gen­er­a­tion nach Luther ange­hören, wobei die Zusam­men­stel­lung etwas willkür­lich anmutet oder, wie es das Book­let selb­st zugibt, „die Refor­ma­tion­sereignisse hallen gele­gentlich nur indi­rekt wider“. Die wohl hör­barste Verk­lam­merung ist dabei der gre­go­ri­an­is­che Hym­nus Da pacem domine, dessen melodis­ch­er Kern Motet­ten von Las­so, Gabrieli, Schütz sowie des Fla­men de Ker­le speist; am wirkungsvoll­sten übri­gens bei ein­er schlicht ein­stim­mig vor­ge­tra­ge­nen Bear­beitung von Luther/ Wal­ter.
So möchte man den RIAS Kam­mer­chor noch viel häu­figer Unisono hören, denn wie die Chorher­ren gle­ich­sam mönchshaft Gre­go­ri­anik zele­bri­eren oder den Can­tus fir­mus in den Instru­men­tal­satz ein­er Motette Para­boscos mit Inbrun­st ein­fü­gen – das hat dur­chaus Gänse­hautqual­ität. Über­haupt ist die Gesamtleis­tung des Chors über jeden Zweifel erhaben: weichgeze­ich­neter Klang, per­fek­te Bal­ance zwis­chen Frauen- und Män­ner­stim­men, immer textver­ständlich und blitzsauber agierend – das macht uneingeschränkt Freude. Wenn dann noch Solistin­nen oder Solis­ten aus dem Chor her­vortreten und, wie etwa Anja Petersen, in Hein­rich Schütz’ Motette O süßer, o fre­undlich­er stimm­lich und stilis­tisch hoch­pro­fes­sionell agieren, run­det dies den her­vor­ra­gen­den Gesamtein­druck unter dem Gast­diri­gen­ten Flo­ri­an Hel­gath ab.
Das Ensem­ble Capel­la de la Torre (Ltg. Katha­ri­na Bäuml) hinge­gen wirkt gegenüber den Profis des RIAS Kam­mer­chors gele­gentlich etwas matt. So hätte man der CD ein deut­lich feurigeres Ein­gangsstück als Moritz von Hes­sens Trom­ba Hol­landi­ca gewün­scht. Und die Klang­bal­ance in Gabrielis Mag­ni­fi­cat geht lei­der manch­es Mal zu Ungun­sten des Chors aus.
Dafür bril­lieren bei­de Ensem­bles in Prae­to­rius’ 17-minütiger Motette Meine Seele erhebt den Her­ren in per­fek­tem Zusam­men­spiel. Hier wer­den mas­sige Chork­länge ver­mieden, wird geschmei­dig und zurück­hal­tend musiziert. Und man hat das Vergnü­gen, zwölf ver­schiede­nen Solistin­nen und Solis­ten aus den Rei­hen des Chors lauschen zu kön­nen, die sich intim, beseelt und vir­tu­os zugle­ich präsen­tieren. Empfehlenswert!
Thomas Krämer