Matthus, Siegfried / Bob Mintzer

cool rhythm

Phantastische Zauberträume für Saxophonquartett & Orchester / Rhythm of the Americas for saxophone quartet and orchestra

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Solo Musica SM 135
erschienen in: das Orchester 10/2010 , Seite 76

„Haben Sie sich als Kind nicht schon ein­mal erträumt, durch Zaubereien einen Wun­sch zu erfüllen?“, so begin­nt Siegfried Matthus’ kurze Zauber-Hör-Anleitung zu den Phan­tastis­chen Zauberträu­men, 2005 für das Phil­har­monis­che Orch­ester Kiel geschrieben. Die abwech­slungsre­iche Kom­po­si­tion mit dem Unter­ti­tel „Ein sax­o­phon­is­tis­ches Märchen“ für Sax­o­fon­quar­tett und Orch­ester strotzt nur so vor musikalis­ch­er Fab­u­lier­lust. Das Land Phan­tásien, eine Orch­ester­fan­tasie von 1995/96 nach der Unendlichen Geschichte von Michael Ende, liefert qua­si den aben­teuer­lichen Nährbo­den für dieses Stück.
In sieben Sätzen ver­sam­melt sich eine bunte, geistre­iche Mis­chung aus Zauber­sprüchen, Schlaflied­chen, Ständ­chen und Besen­tänzen, die von den Musik­ern des Quar­tetts clair-obscur (Jan Schulte-Bunert, Maike Krull­mann, Christoph Enzel, Kathi Wag­n­er) aus­drucksstark zum Klin­gen gebracht wer­den. Die Sax­o­fon­is­ten reizen die Möglichkeit­en ihrer Instru­mente wirk­sam aus, und im Zusam­men­spiel mit der Neuen Phil­har­monie West­falen unter Heiko Math­ias Förster gelingt eine bild­hafte und fein dif­feren­zierte Inter­pre­ta­tion. Häu­fig sehen sich die vier Sax­o­fon­stim­men dem Schlag­w­erk in sämtlichen Schat­tierun­gen gegenüber. Klänge von hauchzart, fast flir­rend hell bis hin zu dun­klen, kraftvollen Don­ner­schlä­gen sind zu hören. Das mehrfach preis­gekrönte Bläserquar­tett glänzt mit aus­ge­wo­gen­em Ensem­bleklang und der Far­ben­re­ich­tum der Rohrblat­tin­stru­mente kann erstrahlen. Die pro­gram­ma­tis­chen Titel der einzel­nen Sätze lassen Musik­ern und Hör­ern gle­icher­maßen viel Raum zu indi­vidu­ellen Traumwan­derun­gen und der Humor kommt dabei nie kurz.
So hin­reißend wie die fet­zi­gen Rhyth­men dieser Kom­po­si­tion sind, spricht auch das zweite Stück auf der CD mit sein­er rhyth­mis­chen Vielfalt sofort an. Rhythm of the Amer­i­c­as des Kom­pon­is­ten und Sax­o­fon­is­ten Bob Mintzer ist ein Rhyth­mus-Kalei­doskop des amerikanis­chen Kon­ti­nents, das zunächst eine gewisse Dis­tanz zum vorher Gehörten schafft und doch E- und U-Musik miteinan­der zu verbinden scheint. Der erste Satz „Con­ver­gence of French and Eng­lish“ mit impres­sion­is­tis­chen Anklän­gen set­zt die europäis­chen Wurzeln der franzö­sis­chen Ein­wan­der­er in Musik um und wirkt zuweilen etwas pathetisch. Afro-kuban­is­che Klänge ver­mit­teln im zweit­en Satz einen Hauch von Karibik und geben südamerikanis­chen Tanzrhyth­men Raum. „Jazz­i­cal“ hat den Charak­ter ein­er Jazzbal­lade und die vier Sax­o­fon­is­ten intonieren lyrische Soli zu ver­schiede­nen orches­tralen Begleitun­gen. Im tem­por­e­ichen Final­satz ist der brasil­ian­is­che Sam­ba-Rhyth­mus unverkennbar, sämtliche musikalis­chen Stilis­tiken wer­den hier noch ein­mal in Kurz­form miteinan­der verquickt. Inten­sives Spiel in Kom­bi­na­tion mit ein­er fein abges­timmten Inter­ak­tion zwis­chen Solis­ten und Orch­ester lassen die einzel­nen Facetten der unter­schiedlichen Musikkul­turen plas­tisch her­vortreten. Mit vir­tu­osen Läufen der Bläser­solis­ten, unter­stützt vom vollen Orch­ester, find­et der Satz seinen markan­ten Abschluss. Stil­sich­er und mit großer Musizier­freude zeigen die vier Sax­o­fon­is­ten auch hier wieder ihr großes Kön­nen.
Juliane E. Bal­ly