Vivaldi/Séjourné/Nobunga

Concertos on Marimba

Fumito Nunoya (Marimba), Kurpfälzisches Kammerorchester, Ltg. Johannes Schlaefli

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Oehms Classics
erschienen in: das Orchester 09/2019 , Seite 67

Ich liebe es, gemein­sam mit Orch­estern zu spie­len. Ein­fach, weil ich dann nicht alleine auf der großen Bühne bin und viele Kol­le­gen da sind, die mit ihrer großar­ti­gen Energie und Offen­heit alle zusam­men eine Musik kreieren.“

So begin­nt der japanis­che Marim­baspiel­er Fumi­to Nunoya, der sein Instru­ment im Rah­men eines Lehrauf­trags an der Musikhochschule in Det­mold unter­richtet, das Vor­wort zu sein­er CD mit drei Konz­erten für Marim­ba­fon und Orch­ester. Und genau­so spielerisch offen und ein­fach wie dieses State­ment klingt, so geht der Solist auch seine drei Konz­erte an.

Die weni­gen Minuten der Adap­tion eines Flötenkonz­erts von Anto­nio Vival­di eröff­nen den Reigen und stellen eine der Son­nen­seit­en des Marim­bak­langs in den Mit­telpunkt: das lock­er per­lende und dynamisch fein abges­timmte lin­eare Spiel. Schnelle Läufe wer­den hur­tig absolviert und mit winzi­gen Tremoli gekrönt – das ist spiel­tech­nisch wun­der­bar, da kommt keine Langeweile auf. Mit der orig­i­nalen Block­flöte in Ohr und Hin­terkopf stellt sich aber ein kleines Defiz­it ein. Unver­gle­ich­lich mehr musikalisch-expres­sive Nuan­cen ste­hen den Bläsern durch kun­stvolle Atem­führung und Artiku­la­tion zur Ver­fü­gung.

Ein kluger Schachzug also, nach der barock­en CD-Eröff­nung eine orig­i­nale Kom­po­si­tion für Marim­ba und Stre­i­chorch­ester zu präsen­tieren. Das Marim­bakonz­ert des franzö­sis­chen Kom­pon­is­ten und Per­cus­sion­is­ten Emmanuel Séjourné ist das derzeit wohl meist­ge­spielte Werk dieses Gen­res, seine post­mod­erne Ver­schmelzung von spätro­man­tis­ch­er Vir­tu­osen­musik à la Rach­mani­now mit pop­kul­turellen Ele­menten sorgt mit großer Regelmäßigkeit für große Konz­ert­er­folge. Nunoya spielt die auf drei Sätze erweit­erte Fas­sung aus dem Jahr 2015 überzeu­gend und nach allen Regeln der Kun­st, er bewegt sich mit großer Sicher­heit in der Mul­ti­stilis­tik der Kom­po­si­tion.

Drittes Werk der CD ist das vom Inter­pre­ten beim japanis­chen Kom­pon­is­ten Takato­mi Nobun­ga in Auf­trag gegebene Konz­ert The Crossed Sonar of Dol­phins. In ein­er Art illus­tri­eren­der Film­musik wer­den hier mar­itime Stim­mungen wie Wellen­klänge, das Auf- und Abschwellen von Strö­mungen und das Auf­blitzen von Fis­chschwär­men in ein­er ver­gle­ich­sweise schlicht­en Musik­sprache umge­set­zt. Die Marim­ba, an deren Seite noch eine Klavier­stimme tritt, ver­tont dabei die Haupt­fig­uren der Geschichte, die Delfine, mit ihren sonaren Clicks und ein­er ele­gan­ten Kör­per­lichkeit. Nunoya real­isiert auch dieses vielle­icht etwas zu lange und zu leicht vorauszu­berech­nende Werk sehr engagiert, wobei er ganz auf eine har­mon­isierende Inter­pre­ta­tion set­zt.

Kün­st­lerische Kon­traste und Wider­sprüch­lichkeit­en sind für ihn ganz offen­sichtlich von gerin­ger­er Bedeu­tung, sowohl in der Wahl seines Reper­toires als auch in sein­er musikalis­chen Ästhetik: „Ich bin der fes­ten Überzeu­gung, dass die Konz­erte, die ich auf dieser CD aufgenom­men habe, etwas Genussvolles sind, sowohl für ein bre­ites Pub­likum, als auch für andere Perkus­sion­is­ten und Marim­bis­ten.“

Stephan Fro­l­eyks